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Safeta ObhodjasSafeta Obhodjas

Eine futuristische Story

Veröffentlicht am 01.08.2021

      Mein Name ist Eva, Eva #MeToo

 

Drei Wochen lang verbrachte ich eingesperrt in ihrem Einbauschrank, währenddessen sie nie müde wurde, mich mit Filmen und Büchern über mehr oder weniger gescheiterte Liebe vollzustopfen. Diese Pflichtlektüre handelte oft von Unterdrückung der Frauen im Namen der Tradition und der Religion. Ab und zu, wenn sie Zeit dazu hatte, diktierte sie mir ihre eigenen Storys, wie zum Beispiel ihre Version der Vertreibung aus dem Paradies, in der sie die Ur-Mutter Eva oder, wie Dunja sie auch nannte, Hava, viel mehr als ein #MeToo Opfer als eine Verführerin darstellte.

„Wir müssen all diese alten von Männern verfassten Sagen revidieren, und aus heutiger Zeit betrachten. Kunst ist dafür da, nicht nur Wahrheit zu erkennen, sondern auch Empathie zu empfinden für Opfer der menschlichen Ignoranz und Grausamkeiten“, belehrte sie mich immer wieder. 

Nein, danke, dachte ich, lieber nichts fühlen, als an so einem emotionalen Wirrwarr leiden, wie du.

Durch Piepsen und Blinken meiner geröteten Augen signalisierte ich ihr, wann immer mein Gehirn drohte aus allen Nähten zu platzen. Dann erweiterte sie meine grauen Zellen um noch ein paar Chips und wartete, bis sich alle Infos neu strukturiert hatten. In der dritten Woche geschah ein Wunder, an einem Abend wagte ich es, ihr eine Frage zu stellen: „Dunja, warum machst du das mit mir? Wozu brauche ich diesen ganzen menschlichen Kram?“

Sie streichelte meinen Kopf und gab mir sogar einen Kuss auf die Wange.

„Mein Schatz, hab keine Angst, ich will dich nicht missbrauchen. Du wirst dich bald in meine beste Freundin verwandeln, die ich in Wirklichkeit nie gehabt habe. Es macht mir viel Freude, dich so zu gestalten. Dieses Gefühl, das ich dabei empfinde, heißt Freude … Du lernst, Freude und Spaß mit mir zu haben. Bald wirst du meine Gefühle klonen können.“

Wozu soll das gut sein?

Die Schranktür ließ sie offen und ich beobachtete ihr hin und her in der Küche.  Sie bereitete Getränke und Leckereien vor, ein Signal für mich, dass ihr Liebling, der Mann mit der sonoren Stimme in dieser Nacht auf ihrem Programm stand. Endlich eine Atempause für mich! Ich sah wie sie, wie jeden anderen Abend zuvor, ein Medikamentenetui aus einem Versteck in der Küchenkommode nahm und daraus eine Pille.

„Warum musst du jeden Abend dieses Zeug schlucken? Bist du krank?“

„Mein schönes Mädchen, rede ein bisschen leiser. Deine Stimme klingt immer noch so künstlich, ich schaffe es noch nicht, sie zu vermenschlichen … Nein, ich bin nicht krank. Siehst du, du empfindest schon etwas für mich, du bist besorgt. Aber es gibt keinen Grund dafür, ich bin nicht krank, ich lasse mich nur nicht unter Druck setzen, nicht einmal von meiner biologischen Uhr.“

Biologische Uhr? Dieser Ausdruck war bei mir bereits gespeichert, aber wo?

Als es an der Tür klingelte, hörte ich Dunja sagen:

„Sei ruhig, piepse nicht. Du bist Zeugin unserer Liebe. Merke dir, das, was zwischen mir und meinem Partner geschieht, heißt Liebe und Vertraulichkeit. Kommt selten zwischen Mann und Frau vor.“

„Diese Geräusche in ihrem Bett heißen auch Liebe? Komisch, es scheint, so ein Gefühl kann man ausdehnen, wie man will.“

Am Anfang feierten sie, soweit ich es verstand, Dunjas Beförderung zur IT-Expertin der medizinischen Fakultät samt dem Klinikum, an der Medizinstudenten ihr Praktikum absolvierten. Er gratulierte ihr, sie freute sich über sein Geschenk. Meine Sensoren vibrierten, wenn der Mann sprach, so schön war seine Stimme. Auf einmal kippte die Stimmung, es entwickelte sich ein Gespräch, dem ich schon einmal beigewohnt hatte, aber jetzt mit mehr Heftigkeit.

„Dunja, du hast in deiner Karriere erreicht, was du wolltest. Mädchen, es ist an der Zeit, an unsere Kinder zu denken! Setz' diese verdammte Pille ab!“

„Eric, heute Abend feiern wir meinen Erfolg und unsere Liebe. Mach das nicht kaputt … Ich habe unsere Kinder sicher gestellt, du weißt wo, ich habe mich dafür geopfert, monatelang Hormone gespritzt … Meine eingefrorenen Eizellen, es gibt genug davon, warten auf mich, bis ich bereit bin, Kinder zu bekommen. Dein Beitrag, ein bisschen Sperma, wenn du willst.“

„Deine Kinder, unsere Kinder in einer frostigen Truhe! Das brauchen wir nicht. Jetzt geht es noch auf natürlichem Wege! Ich will nicht als ein alter Mann Kinder in die Welt setzen. Ich will nicht, dass die Leute denken, ich wäre der Großvater meiner eigenen Kinder! Was hindert uns ... “

„Ich habe noch einen Traum zu verwirklichen“, sagte sie und holte mich aus meinem Versteck. Meine ursprünglichen, von den Studenten installierten Chips, aktivierten sich von selbst und bewegten mich in Diva-Manier.

„Eric, darf ich dir jemanden vorstellen? Das ist ...“

 Fortsetzung auf der zweiten Seite

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Ein Deutschtürke im Abseits

Veröffentlicht am 10.07.2021

Jugendroman

 

Mert Seyder, ein Schüler, der gerne kickt, will der beste Torschütze eines improvisierte Fußballturniers werden. Er ist in seine Nachbarin Enisa verliebt, die für Fußball nichts übrig hat und sich weigert, seine Freundin zu werden. Zwischen den Organisatoren des Turniers, Merts Mutter Suna, und dem geliebten Trainer Osman entbrennt ein Macht-kampf. Merts Onkel Riza, das Oberhaupt der traditionell strukturierten Familie Seyder, versucht Mert eine Verlobung mit einer Cousine aufzudrängen. Der naive und unerfahrene Junge wird zwischen den Fronten hin und her geschubst.

 

Eine Besprechung bei Amazon

5,0 von 5 Sternen Berührend

Das Leben türkischer Jugend, besonders Jungs, die sich auf der Suche nach sich selbst unsicher zwischen der islamischen Tradition und moderner westlichen Lebensart bewegen, war für mich bis jetzt eine unbekannte Welt. Dieses mit wunderbarer Leichtigkeit und nötigem Ernst geschriebene Buch schafft es, einen in diese Welt zu entführen und gefangen zu nehmen. Man ist mit Mert unterwegs, mal ärgert man sich, mal schmunzelt man über ihn, in einem Moment möchte man ihn anschreien und wachrütteln und im anderen beschützend in den Arm nehmen. Am Ende ahnt man, dass er, bis er seinen Platz in dieser Welt gefunden hat, eine lange und beschwerliche Reise vor sich haben wird. Umso mehr wünscht man es ihm vom ganzen Herzen.

 M.W.

Bestellung bei dem Verlag epubli

https://www.epubli.de/shop/buch/Deutscht%C3%BCrke-im-Abseits-Safeta-Obhodjas-9783754123034/114016

 

Anklicken um einen Abschnitte aus dem Roman zu lesen

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Tanz auf Europas Pulverfass

Veröffentlicht am 26.06.2021

Das war einmal eine multikulturelle Čaršija

 Roman

 Tania Fajoli


Es sind die Frauen, die den Takt, die Stimmung und die Handlung in diesem
wunderschönen Roman ausmachen. Es sind Vildana und Sandra, die in einer erfundenen Stadt, in einem sehr realen Jugoslawien, bis zum Ausbruch des Bosnienkrieges leben.
Die Autorin Safeta Obhodjas lässt ihren großen Roman mit einem unerwarteten Aufeinandertreffen in Deutschland beginnen. Zwei Flüchtlingsfrauen in einer Kleiderkammer, den Schwestern in Not. Sandra, verzweifelt, hat ihren Koffer verloren, braucht dringend neue Kleidung, nichts passt, sie ist so dünn geworden. Es gibt Abhilfe, wird ihr beschieden, da hinten in einer Kammer sitzt eine Schneiderin, die kann gut nähen, die ändert die Kleidung, dass sie passen wird. So treffen sich Sandra und Vildana Mulić wieder, Kinderfreundinnen aus der kleinen Stadt Čaršija.
Die zeitliche Strecke, die in dem epischen Gesellschaftsroman zurück gelegt
wird, beginnt im Vielvölkerstaat Jugoslawien und endet nicht an der Schwelle des Bosnienkriegs, sondern dahinter. Das Städtchen Čaršija, nicht mehr Dorf, aber noch nicht Stadt, ist ein Schmelztiegel, die Menschen mögen sich, und wie in einer Kleinstadt nicht vermeidbar, wissen sie alles voneinander. Aber die verschiedenen Herkünfte produzieren keine unterschiedlichen Lebensgeschichten mehr, sie blitzen lediglich auf in Scherz- und Schimpfworten oder in Diskussionen, weil die Mädchen mit ihrer Rädelsführerin Vildana aus der folkoristischen Tanzgruppe serbische
Frauentänze ablehnen. Es hat den Anschein, als hätten die unterschiedlichen Nationalitäten und Glaubensbekenntnisse keinen realen Einfluss mehr auf die Menschen.
Aus zwei Perspektiven erfüllt sich die Geschichte um einen Ort und die
Menschen, die dort leben. Der Blickwinkel von Sandra, der Fotografin, ist
zurückgenommen, fast distant, so als wäre immer das Objektiv zwischen
Beobachtender und Abgebildetem. Sandras Hauptaugenmerk gilt Vildana, für deren hochfahrende Art sie eine Art Hassliebe empfindet. Sandra widmet, bevor sich die Blende für den Ort Čarsija endgültig schließt, lange
Augenblicke dieser kosmopolitschen Kleinstadt, erfasst Bewohner genau in
ihren Eigenheiten, schildert das Leben, das Besim, Vildanas Vater, zu dem
Ausspruch motiviert: „…-So was kann man nirgendwo in Europa finden.
Gemütlich lebt bei uns sogar ein Donauschwabe – wiederholte er in jedem Interview, dass er als Bürgermeister … gab. ….“
Die lebendigere Sicht gehört zu Vildana. Ihre Familie, die Mulićs, sind eine
alteingesessene, früher reiche Familie muslimischen Ursprungs. Besim, der
Vater ist  Bürgermeister, die Mutter Edina Leiterin der Volkshochschule,
Vildanas Bruder Amar, angehender Arzt. So weit, so toll. Vildana, die
Modeschöpferin werden möchte, ist stolz auf ihre Familie, sie gibt in der
Tanzgruppe und unter ihren Freundinnen den Ton an; sie genießt ganz offen die herausgehobene Position der Mulićs mit dem größten und schönsten Haus in der Stadt. Alle lieben Vildana. Meint sie.
Bedrückend genau dekliniert Safeta Obhodjas am Beispiel von Čaršija, wie
Miteinander auseinander brechen kann. Wie zuerst vermeintliche Gegensätze betont werden. Wie diese Gegensätze zu Formeln gerinnen, christlich, muslimisch, was immer. Jeder muss etwas sein. Tanz auf Europas Pulverfass zeigt am Beispiel von Vildana, wie Menschen durch Zuschreibungen separiert werden.
Dieser Roman spart nicht die Gewalt des sich anschließenden Bosnienkrieges aus, sondern zeigt erdrückenderweise auch, wie perfide
nebenbei Rechnungen beglichen wurden. Ein wichtiges Buch.

Link zum Buch:

https://www.epubli.de//shop/buch/Tanz-auf-Europas-Pulverfass-Safeta-Obhodjas-9783754131633/114877?utm_medium=emailutm_source=transactionalutm_campaign=Systemmail_PublishedSuccessfully

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Ayaan Hirsi Ali

Veröffentlicht am 13.06.2021

Bring den Boten zum Schweigen

 

Den Namen Ayaan Hirsi Ali hörte ich das erste Mal in Verbindung mit der Ermordung von Theo van Gogh. Ayaan und Theo hatten einen Dokumentarfilm zusammengedreht, – sie als Drehbuchautorin, er als Regisseur, – in dem sie die Unterdrückung von Frauen im Islam an den Pranger stellten. Das Fazit des Films lautete: Gewalt gegen muslimische Frauen, sowohl in den Familien als auch in der Gesellschaft, wurzelt in vielen Suren des Korans. Ein junger Fundamentlist aus Marokko brachte deswegen Theo van Gogh um; das gleiche Schicksal wurde Ayaan Hirsi Ali angedroht.  

Nach seinem Tod im Jahr 2004 erlebte sie eine Odyssee mit dem niederländischen Geheimdienst. Angeblich wollte die Behörde sie durch Isolation schützen: Monatelang schleppten die Agenten sie von einem geheimen Ort zum anderen, weit weg von der Öffentlichkeit. So verhinderten sie, dass Ayaan sich zu Wort meldete, stoppten ihre Mission, während sie nach einem Vorwand suchten, diese Unruhestifterin aus dem Land zu jagen. Letztendlich wurden sie fündig: eine angeblich falsche Aussage als Asylsuchende; gleich nach der Rückkehr ins Land wurde ihr die holländische Einbürgerung aberkannt und sie musste auch die europäische Heimat verlassen. Die politischen Machthaber zeigten damit ihre Nachsicht mit den Islamisten; sie hofften, die westliche Demokratie könnte, wenn auch auf Kosten von Frauen, Juden oder Homosexuellen, mit diesen ewig Gestrigen im Frieden leben. Ein ähnlicher, politischer Irrtum wie in Deutschland.

Ayaan Hirsi Ali entschied sich, ihren Kampf in Amerika fortzusetzen, wo sie eine akademische Karriere einschlug.   

 

2007 war ich zu Gast bei meiner Tochter in der USA und sie schenkte mir Ayaans Autobiographie Infidel. (auf Deutsch: Mein Leben, meine Freiheit.)

Diese Lektüre erlebte ich persönlich wie eine Offenbarung. Einerseits wurde ich durch die Beschreibungen ihrer Irrwege als Heimatlose von einem Land ins andere sehr berührt. Ich bewunderte auch ihre Ehrlichkeit, als sie ihren Entwicklungsprozess schilderte, ihre anfängliche Prägung durch islamische Indoktrination bis hin zu ihrem Umdenken, als sie mit der westlichen Kultur in Berührung kam. Anderseits las ich dieses Buch auch als eine Infoquelle über den politischen Islam, über die Wirkung der Muslim-Bruder-Ideologie und ihre Verbreitung über den afrikanischen Kontinent hinaus. Dieses Buch machte mich hellhöriger in Bezug auf Zuwanderung in Deutschland, wobei es mir Mut spendete, in meinen Werken genau das zu beschreiben, was ich durch mein Engagement an der Basis erlebte, hörte und beobachtete.

 

Von Beute zu Besitz

 

Ayaan Hirsi Ali hat in diesem Jahr ein neues Buch veröffentlicht, betitelt als Prey (auf Deutsch Beute), in dessen Fokus die Lage der Musliminnen im heutigen Europa steht. Als gute Kennerin der Situation versucht sie in ihrer Studie zu erklären, warum sich junge Muslime so aggressiv gegenüber Frauen

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Digitale Bekanntschaft mit Sylke Kirschnick aus Berlin

Veröffentlicht am 29.05.2021

Wenn junge Frauen ihre eigene Versklavung herbeisehnen

 

Vor ein paar Wochen hat mich jemand mit der Petition Nicht ohne mein Kopftuch verlinkt. Und diese Petition hatte es in sich! Eine junge Frau namens Rabia, die sogar einen Posten an einer Universität bekleidet, wollte damit möglichst viele Unterschriften von Gleichgesinnten sammeln. Ihre Petition sollte die Gesetzgeber unseres Landes dazu bewegen, den Vertretern des politischen Islam entgegenzukommen und das gesetzliche Verbot der religiösen Symbole in den Bereichen, wo das Neutralitätsgebot gilt, abzuschaffen. Diese Bestrebungen sind nichts Neues.

Seit einigen Jahren fordern einige Kopftuchträgerinnen, die Jura studieren oder studiert haben, die Möglichkeit, eine Karriere im Justizbereich einzuschlagen, ohne ihre Kopftücher ablegen zu müssen. Aber eine feste Barriere hindert sie, ihre Wünsche zu verwirklichen: Da der Staat nur durch Personen handeln könne, bedeute dieses Neutralitätsgebot eine Verpflichtung für staatliche Amtsträger, so lautet die Erklärung des Gesetzgebers, warum eine Änderung nicht in Frage kommt.

Und Rabia wollte sich damit nicht abfinden und startete diese Petition im Namen von wem auch immer, um mehr politischen Druck auszuüben. Ich konnte so eine Aktion nicht schweigend hinnehmen und schickte Rabia die folgende E-Mail über die Organisation, die ihr für die Verbreitung ihres Anliegens als Plattform diente.

 

Hallo, Rabia,

 

meine kulturellen Wurzeln sind islamisch und slawisch geprägt, und als solche sind sie auch ein Teil meiner Identität. Aber erst aus einer europäischen Ausbildung hat sich bei mir die Fähigkeit entwickelt, klar und mit meinem eigenen Kopf zu denken.

Nach der langen Geschichte der Unterdrückung meiner weiblichen Vorfahren, auch durch Art des Kleidens, tut es mir wirklich weh, wenn ich immer wieder erfahre, dass junge Frauen im 21. Jahrhundert in Europa bereit sind, für ihre eigene Versklavung zu kämpfen.

Haben Sie, liebe Rabia, nichts Vernünftigeres in Ihrem jungen Leben zu tun, als so eine verlogene Petition zu verschicken, um die Unterschriften für so eine rückständige Sache zu sammeln?  Wem dienen Sie, wessen Marionette sind Sie? Was für Ideale haben Sie?

Mein inniger Wunsch ist, dass die Gesetzgeber in diesem Lande endlich dieses Stück Stoff verbieten, besonders für minderjährige Mädchen. Meiner Meinung nach wird das keine Diskriminierung sein, sondern eine Befreiung muslimischer Frauen oder wenigstens von deren Töchtern und Enkeltöchtern aus den Zwängen dunkler Mächte des politischen Islam. Ich will keine Lehrerin mit Kopftuch in der Schulklasse meiner Enkelkinder sehen. Ohne freie Köpfe gibt es kein freies Denken! Sagen Sie das Ihren Bossen.

Safeta Obhodjas

Jetzt kommt Sylkes Ermutigung

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Abraham, Avram, Ibrahim

Veröffentlicht am 16.05.2021

Abraham, Sarah und Hagar – eine Patchwork-Familie im Sinne der heiligen Bücher

In den Kulturen des Westens haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten einige neue Formen des Familienlebens entwickelt. Die alte klassische Familie bleibt erhalten, aber die Moderne hat viel mehr anzubieten: Homoehe, offene Ehe, offene Beziehung, Alleinerziehende, Patchworkfamilie... Wenn eine Ehe oder eine Partnerschaft ohne Trennungskriege zu Ende geht, bildet sich manchmal danach eine glückliche Kombination aus den verflossenen und den neuen Partnern und aus „meinen, deinen, unseren“ Kindern. In so einem Bündnis  aus  mehreren Elternteilen und deren Kindern entwickelt sich auch eine neue Zusammengehörigkeit, in der alle Erwachsenen aus freien Stücken entscheiden können, mit wem sie in einer Partnerschaft weiter leben wollen und wer für sie nur ein Freund geworden ist. Diese Entwicklung der Familie ist direkt mit der Emanzipation der Frauen verbunden. Ohne Gleichberechtigung der Geschlechter wäre sie nie möglich gewesen.

In den Ländern, wo Religion und Tradition seit eh und je Mann-Frau-Verhältnisse bestimmen, hat sich eine andere Art der Flickwerk-Familie erhalten, die man schon aus dem Alten Testament kennt: ein Mann und mehrere Frauen, ein Vater, mehrere Mütter unter einem Dach, wobei der Patriarch manchmal den Überblick verliert, wie viele Kinder und mit welcher Frau er gezeugt hat. In vielen islamischen Ländern darf ein Mann legal bis zu vier Frauen ehelichen. Wenn er wohlhabend ist, achtet er diese Regel nicht und nimmt viel mehr Frauen als ihm zustehen. Er kann jederzeit eine Frau verstoßen und eine jüngere nehmen, und oft müssen ihm die Mägde im Haus zur Verfügung stehen. In dieser Tradition, die man als „Vielweiberei“ bezeichnet, hat nur der Mann das Recht, eine Patchworkfamilie zu gründen, wie das in Abrahams Zeit auch üblich war, als die Menschheit an viele Götter glaubte.

 

Abraham und sein Vermächtnis an die Menschheit

 

Abrahams Lehre oder genauer seine Visionen sind ein Meilenstein aller monotheistischen Religionen auf ihrem Weg von der Vielgötterei zu einem Gott, zu einem Allmächtigen. Abram, Abraham oder Ibrahim – das ist der erste Prophet,  dessen Geschichte sich in Judentum, Christentum und Islam zwar in mehr oder weniger unterschiedlichen Versionen findet und wo neben ihm auch noch zwei seiner Frauen, Sarah und Hagar, als die Mütter seiner Kinder in die heiligen Bücher Eingang gefunden haben. Abraham heißt auf Arabisch Ibrahim, seine Frauen Saria und Hadzera, die erstgeborenen Söhne Ismail und Isaak. Aber wahrscheinlich hat man im Islam gedacht, dass nur zwei Frauen für so einen mächtigen und wichtigen Propheten zu wenig wären. Laut mündlicher Überlieferungen nahm er nach Hagar noch zwei weitere Frauen, die dritte hieß Qeturah und die vierte Sabah. Vier Frauen, das kommt uns bekannt vor, nicht wahr? Vielleicht haben die islamischen Vorreiter Abrahams Maß für alle Männer für legitim erklärt.

Im Islam gilt der Koran als ein vollkommenes, in sich geschlossenes Buch,

dessen Suren man nur theologisch auslegen darf. Es gibt deshalb wenig Dichtungen über das Leben der Propheten. Ich habe nur einen Artikel gefunden, der mir, obwohl auch ziemlich theologisch, als Grundlage für meinen Aufsatz dienen konnte, und zwar den Text „Abraham, Sarah und Hagar“, verfasst von der  islamischen Theologin Halima Krausen[1]. Für ihren Artikel hat sie das Material zweier Quellen benutzt, den Koran selbst, aber viel mehr die mündliche Überlieferungen, die in der arabischen Kultur, wenn es um die Festigung der Tradition geht, manchmal mehr Bedeutung haben als das Heilige Buch selbst.

Mancher jüdische und christliche Leser, der sich zum ersten Mal mit dem Koran befasst, ist überrascht, wenn er in dem zunächst doch ziemlich fremden Buch vertraute Gestalten entdeckt, darunter Abraham, dem der islamische Name Ibrahim entspricht, so beginnt der Artikel „Abraham, Sarah und Hagar“ von Halima Krausen. Ihre theologischen Erklärungen  finde ich wertvoll, aber für mich ein bisschen einseitig. Sie geben dem Leser kein vollständiges Bild dieser drei Menschen, deren Schicksale miteinander so verflochten waren. Deshalb werde ich als Quellen auch die anderen mündlichen Überlieferungen benutzen, die ich schon in meiner Kindheit gehört habe. Diese Sagen wurden uns Kindern von den älteren Frauen in der Familie erzählt, als sie versuchten uns zu erklären, wie schwer es die ersten Propheten hatten, den Glauben an einen Gott durchzusetzen.

Die Suren im Koran sind berühmt für ihre Knappheit und ihre nicht gerade präzisen Formulierungen. Sie kennen diese epische Art des Erzählens nicht, die  im  Alten Testament vorkommt. Im Koran sind meist Werte und Handlungen der Propheten dargestellt, die das Verhältnis Mensch-Gott im Mittelpunkt haben. In fast allen Suren wird mehrfach betont „Allah ist groß, einzigartig, allmächtig, barmherzig“. Diese Wiederholungen sollten sich dem Unterbewusstsein des Menschen einprägen und den früheren Glauben an die Götzen ausradieren.

 

Im Tal vieler Götter

 

Die Zeit vor Abraham

Wie schon bekannt, die alte griechische Mythologie ist voll von den sowohl guten als auch bösen Gottheiten. Die unsterblichen Götter saßen auf ihrem Olymp und beeinflussten das Leben armer Menschenkinder von oben. Genauso war es in der Wiege der Zivilisation, dem assyrischen Reich Babylon zwischen Euphrat und Tigris. Ein Gott war für den Krieg, ein anderer für den Frieden, eine Göttin für die Liebe, eine andere für die Ernte zuständig. Sie waren Spezialisten auf den unterschiedlichen Gebieten. Jeder Schritt der Menschen wurde von Göttern ins Visier genommen, und sie konnten jederzeit von den Allmächtigen bestraft oder gesegnet werden. Mal schickten die Götter den Menschen Glück, mal Unglück für die Jagd, den Krieg, die Liebe, für die langen Reisen über das Meer oder durch die Wüste. Doch die Götter waren fehlbar, nicht einmal sie konnten ihre Begierde unter Kontrolle halten. Manchmal verführten sie irdische Frauen und zeugten Halbgötter... Sicher haben einige von Ihnen dasGilgamesch Eposgelesen oder von ihmgehört. Es ist das erste uns bekannte literarische Werk auf der Erde. Sein Held, König Gilgamesch, wurde zwar von einem Gott gezeugt, hat aber von seinerMutter, einer stolzen Mensch-Frau, die Sterblichkeit geerbt.

 1

1949 Geboren in Aachen. Ihr besonderes Interesse an Religion ist dadurch ausgelöst worden, dass ihre Familie mütterlicherseits evangelisch und väterlicherseits katholisch war. Jedenfalls mit 13 Jahren fand sie im Islam die sinnvollsten Antworten auf ihre Fragen über Einheit und Vielfalt der Religionen. Schon während ihrer Schulzeit lernte sie Arabisch und fing an, aus Büchern zu studieren, später auch bei Gelehrten verschiedener Denkschulen und auf Reisen sowohl in Europa als auch im Orient…

www.halimakrausen.com



[1]

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Unterdrückung durch politische Korrektheit

Veröffentlicht am 30.04.2021

Eine vollkommene Kontrolle ist das Schicksal von vielen Musliminnen im Heute und Hier

 

Neulich erzählte eine Kollegin von mir in einer renommierten Kultursendung im Fernsehen von ihrem neuen Krimi dessen Inhalt ich teilweise kannte. Darin geht es nicht um das gegenwärtige Leben der menschlichen Spezies. Es scheint, dass die realistischen Problemedes Daseins keine Herausforderung für die Phantasie dieser Schriftstellerin darstellen. Das Buch handelt von einer Großstadt in Deutschland, wo eine ideale Gesellschaft aus der Zukunft lebt. Sowohl der öffentliche als auch der private Bereich sind vollkommen reguliert und überwacht, von wem auch immer, aber dieser jemand hat so viel Power, dass er die Grenzen schließen kann, wann immer er das will, und er ist fähig jedem Stadtbewohner alles zu schenken, was dieser zu einer gemütlichen Existenz benötigt. In dieser Stadt ist alles vorhanden außer Freiheit. Ein Kriminalfall in so einer idealen, geschlossenen Welt, das kann man sich schwer vorstellen.

Ich hörte sie reden und erinnerte mich an ein reales Treffen mit dieser Frau, an ein Gespräch, das viel absurder endete als das, was sie in der Sendung von ihrem futuristischen Roman präsentierte. Sie arbeitete auch als Lektorin in einem kleinen Verlag und deswegen kannte sie einige meiner Bücher. Vor diesem Treffen in Berlin hatte sie sich am Telefon als großer Fan meines literarischen Stils ausgegeben. Ich habe mich so gefreut, endlich einen richtigen Kontakt zu jemandem aus der Literaturwelt zu haben. Sie wünschte auch eine Begegnung live und bald bekamen wir eine Chance uns zu treffen, weil ich zu einem Festival nach Berlin eingeladen war. Ich träumte davon, ihr von meiner Arbeit an der Basis zu erzählen, von den Lesungen an den Schulen, von den Auftritten in den Multikulti-Vereinen, aus denen ich letztendlich mein Schreibmaterial schöpfte.

Ihre Begrüßung war jedoch viel distanzierter als ich es mir vorgestellt hatte. Es war ein sehr heißer Tag, und wir konnten nicht gleich ein Café mit einer Terrasse im Schatten finden. Sie hatte nicht viel Zeit, musste gleich zu einem anderen Termin, deshalb gaben wir die Suche auf und landeten in einer ungemütlichen Imbissbude. Unser Gespräch begann sehr holperig. Sie zeigte keinerlei Interesse an meiner Arbeit, viel lieber erzählte sie von ihrer, von dem Verlag, in dem sie ihr Geld verdiente. Dann begann sie mir den Inhalt ihres neuen Kriminalromans zu schilden. Ich fühlte mich in meiner Zuhörerrolle unwohl, ohnehin konnte mir dieses Genre gestohlen bleiben. Als sie begann von den Menschen zu reden, die bald unter vollkommener Kontrolle des digitalen, selbst erschaffenen Monsters würden leben müssen, entschied ich mich, sie zu unterbrechen, und ihr etwas von unserer kontrollierten Realität zu erzählen.

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Feministinnen und ihre Geschäftsmodelle

Veröffentlicht am 30.04.2021

 Frauenvernetzung

 Das Internet bietet viele Webseiten der Vereine und Organisationen an, welche groß auf ihre Fahne Frauenfreiheit schreiben. Ihre Programme können sich allgemein sehen lassen; oft beinhalten sie auch eine Kampfansage an den politischen Islam, der in seiner fundamentalistischen Lehre Frauenrechte nicht wahrnimmt. Das Vorgehen der deutschen, feministischen Aktivistinnen ist hinlänglich erprobt: engagierte und aufgeklärte Frauen setzen sich für unterdrückte Zeitgenossinnen ein, indem sie in ihrem Namen agieren und von der deutschen Politik verlangen, durch die Gesetzgebung die Rechte der Musliminnen zu stärken, sowohl in ihren Familien als auch in der Gesellschaft. So steht es wenigstens in ihren Programmen.

Ich bin eine Autorin, die seit fast vierzig Jahren über ähnliche Problematik schreibt, und gleichzeitig versucht, Aufklärungsarbeit an der Basis zu leisten. Deshalb habe ich viele Male versucht, Kontakt zu den Trägerinnen solcher Programme aufzunehmen. Ich stelle mich bei den bekannten Aktivistinnen vor, wobei ich meine Bücher, Texte und Projekte als Referenzen beilege, in der Hoffnung, ihr Interesse für eine Zusammenarbeit zu wecken. Vergeblich. Bis jetzt ist es mir nie gelungen, von ihnen wenigstens eine nette Antwort zu bekommen. Meist ignorieren sie meine Anrufe und meine E-Mails, nur ab und zu bekomme ich eine kurze Rückmeldung: Nein, danke, Sie passen nicht zu unserem Geschäftsmodell. Trotz der Ablehnung nehmen sie meine E-Mail-Adresse in ihren Verteiler auf, und so bekomme ich regelmäßig Infos darüber, in welchen Projekten bezüglich Frauenfreiheit sie aktuell engagiert sind, meist mit immer dem gleichen Inhalt, den ich schon lange und neunzig Prozent kenne. Neulich hat mich eine ihrer Aktionen animiert, wieder einen Kontaktversuch zu wagen, weil ich einige Essays zu ihrem Thema schon geschrieben hatte. Aber das war wirklich keine gute Idee, es vergrößerte nur meine Frustration.

Hier können meine Besucher ein paar schriftliche Belege meines Scheiterns lesen:     

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Zwiegespräch am Wupperufer mit Helene Stöcker

Veröffentlicht am 10.04.2021

Ketten reißen nie von selbst

Dr. Helene Stöcker, Frauenrechtlerin, Publizistin und Philosophin, kam 1869 in Wuppertal zur Welt. 1933 trieben die Nazis diese überzeugte Pazifistin ins Exil.  Danach wurde sie ausgebürgert und man erkannte ihr den Doktortitel ab. Sie starb 1943 in New York, im Exil.

 Ich musste Bosnien und Herzegowina wegen der Vertreibung der nicht serbisch stämmigen Bevölkerung verlassen, die 1992 die serbischen Nationalisten in meinem Heimatland durgeführt hatten. Nach der Ankunft in Deutschland fand ich ein Refugium in der Geburtsstadt von Helene Stöcker. Eines Tages entdeckte ich bei einem Spaziergang ein Ufer, das ihren Namen trug. Das weckte meine Neugier. Wer war diese Frau, die man in Wuppertal nur durch die Namensgebung einer kurzen, einsamen Strecke entlang der Wupper geehrt hatte?

Beim Erforschen ihres Lebenslaufs und ihrer Werke in der Stadtbibliothek entdeckte ich, wie wichtig ihre Mission sowohl für die Frauenbewegung als auch für Menschenrechte war. Fast unbewusst begann ich einen Dialog mit ihr, indem ich unsere persönlichen Schicksale im Rahmen der Weltumwälzungen der jeweils erlebten Zeiten nebeneinander stellte. Irgendwann zeichnete ich unser Zwiegespräch am Wupperufer auf und gab ihm den Titel Ketten reißen nie von selbst. Hier lade ich meine Leser ein, ein bisschen an unserem Austausch teilzunehmen.

 

Helene S. trifft Safeta O. Ein Zwiegespräch am Wupperufer

Musik – Einleitung

 SZENE 1

Safeta sitzt am Laptop, tippt. Sie ist konzentriert, murmelt etwas vor sich hin. Dann nimmt sie ein Buch, blättert darin Das kann nicht sein! Helene, die Zeit ist wie im Flug vergangen. Vor fünfzehn Jahren haben wir mit unseren Zwiegesprächen angefangen, Helene.

Helene kommt aus dem Halbdunkel, mürrisch Darf ich dich fragen, von welcher Tarantel du jetzt gestochen bist, um wieder mal meine Gesellschaft zu suchen? Damals hast du dich über Einsamkeit beklagt und in einer Kiste … deutet auf den Laptop, überrascht Warte, damals hattest du eine große Kiste vor dir, nicht so ein kleines Ding wie jetzt. Du hast auch in einem Buch gelesen, ein Buch voller Frauennamen, die ich sogar kannte … Wie hieß das Buch noch mal? Ach ja, „Lexikon der Rebellinnen“. 

Safeta ironisch Du hast ja ein langes Gedächtnis! Das stimmt! Blättert im Buch Durch dieses Lexikon habe ich auch von der ersten promovierten Philosophin Deutschlands erfahren. Jetzt ist dein ganzes Leben in meiner kleinen Kiste aufgezeichnet: Helene Stöcker, geboren vor genau 150 Jahren in Wuppertal. Höhere Töchterschule. Studium der Literaturwissenschaft in Berlin.  Gründerin des Bundes für Mutterschutz … Frauenrechtlerin, Friedenskämpferin, Vermittlerin zwischen den Geschlechtern, Herausgeberin von Zeitschriften. Flucht vor den Nazis über die Schweiz, Schweden, Russland nach Amerika ... 

Helene Stopp! Was willst du heute von mir, an meinem Geburtstag? Führ  deine Monologe mit dir selbst!

Safeta Das sind keine Monologe sondern Zwiegespräche. Siehst du, ich lebe immer noch in deiner Geburtsstadt Wuppertal ...

Helene Ich bin aber in Elberfeld geboren.

Safeta Das weiß ich, das ist jetzt Wuppertal, seit länger als hundert Jahren schon.

Helene energisch Elberfeld, Wuppertal, was auch immer, ich habe nicht lange in dieser Stadt gelebt.

 Safeta Das weiß ich auch. Aber deine Stadt erinnert sich ab und zu an dich. Und ich, eine Eingedeutschte, tanke bei dir meine Kraft auf … Wie kann ich dir das erklären? Du warst eine großartige Theoretikerin, aber gleichzeitig auch eine Praktikerin. Zum Beispiel beim Mutterschutz hast du Menschen zum Umdenken bewogen ...

Helene Aber mein Engagement als radikale Pazifistin nach dem Ersten Weltkrieg erwähnst du kaum, und zwar ohne parteiliche und weltanschauliche Bindung ... Darauf lege ich großen Wert!

 Safeta Entschuldigung ... Aber um dir die Wahrheit zu sagen, deinen radikalenPazifismus kannst du dir heutzutage in die Haare schmieren …

Helene Wie kannst du so etwas behaupten? Ich hatte so viele Gleichgesinnte nach dem Ersten Weltkrieg …

 Safeta Ach ja. Einige Namen deiner Gleichgesinnten kenne ich sogar, aber ihr habt nicht einmal den Zweiten Weltkrieg verhindern können ...

Helene irritiert Gibst du uns die Schuld dafür? ...

Safeta Es ist ja gut … nein! Ich beneide dich, du hattest deine Prinzipien. Ironisch Du wolltest die Welt retten. 

 Helene Und was willst du? Bist du etwa auch eine Rebellin geworden? Und in einem modernen „Lexikon der Rebellinnen“ gelandet?

Safeta Ach, nein! Ich habe dir schon gesagt, auf dem Balkan wachsen nur brave Frauen auf. Ist das nicht traurig? Und ich ...

 Helene ironisch Ach, und deswegen weckst du mich immer wieder, weil du immer noch keine lebendige Zuhörerin gefunden hast für deine Klagen? Aber ich weigere mich, immer demselben Jammer der Frauen zuzuhören.

Safeta gekränkt Ich muss mit jemandem reden. Ich bin es leid, immer alleine an meinem Schreibtisch zu hocken.

Helene Was ist aus dir geworden? Keine Philosophin, keine Rebellin, keine ...

 Safeta Das weißt du ja schon. Seit unserem Zwiegespräch vor vielen Jahren hat sich  meine Bibliografie nur verlängert. Stolz Schau mal hier, auf dem  Bildschirm … Das sind meine neuen Werke.

Helene Bildschirm? Hmm  … Du meinst dieses kleine Ding da?Liest Safeta Obhodjas stammt aus Bosnien und Herzegowina. Überlegt Wo ist dieses Land? Ach ja, auf dem Balkan ... Ihre slawische Herkunft und ihre muslimischen Wurzeln brachten sie in ein doppeltes Dilemma der Zugehörigkeit, die sich in ihren ersten Werken widerspiegelt. Ende 1992 muss sie aus ihrer Heimat fliehen, um der von den serbischen Politikern gesteuerten „ethnischen Säuberung“ zu entgehen. Seither lebt sie in Wuppertal. Schreibt zweisprachig, Deutsch und Bosnisch. Deutsch? Donnerwetter!

 Safeta lacht Ja, ich bin eingedeutscht, wie man heutzutage sagt, auch durch deine Texte und deine Lehre. Wollen wir nicht unser Zwiegespräch fortsetzen?

HeleneTja, was es nicht gibt in dieser Welt. Eine Philosophin aus dem vorigen Jahrhundert und eine Literatin von heute können nicht aufhören, sich auszutauschen. Aber hier, in deiner Bude ist es so eng und langweilig.

Safeta Ich schlage vor, einen Spaziergang durch Wuppertal zu machen.  Komm Helene, ich zeige dir deine und meine erneuerte Stadt. Du bist hier geboren, ich habe hier meine deutsche Heimat gefunden. Lacht Und meinen Laptop nehmen wir mit.

Helene Warte, warte, nicht so schnell! Mein Hut sitzt ja schon auf dem Kopf. Aber wo ist meine Pelerine, wo ist mein Regenschirm?

Safeta Brauchst du nicht! Im Moment scheint die Sonne. Wir lieben den Klimawandel, wenn wir die mediterrane Wärme  genießen dürfen, und verfluchen ihn, wenn sintflutartige Gewitter über Europa toben.

Helene verlegen Klimawandel? Was redet diese Frau?

Safeta Komm, heute scheint die Sonne! Du wirst sehen, wie lebendig unsere Stadt geworden ist.

 

Szene 2 kommt gleich

 

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Frauen aus der Karawane Sinais

Veröffentlicht am 31.03.2021

Die ersten Storys auf Deutsch schrieb ich Ende des Zwanzigsten Jahrhunderts, in denen ich mein schreibendes Pendeln zwischen den Kulturen thematisierte. In dieser Zeit ahnte ich nicht einmal, was für eine brisante Problematik der Zukunft ich in meine Geschichten einfließen ließ. Das bezeugen auch diese zwei Kurzstorys aus dem Bändchen Frauen in der Karawane Sinais. Als erste biete ich meinen Lesern Alles gute Muslime an, in einer Woche folgt Eine Konvertierte – eine Geborene.

Wenn Sie interessiert sind, können Sie das Büchlein immer noch beim NordPark-Verlag Wuppertal erwerben.

Alles gute Muslime

 Die Weisheit des Literatur- Magiers Luis Borges, es sei für die Religion leicht zu sterben aber recht schwierig für sie zu leben, traf auf meinen Vater nicht zu.  Er hatte keine Lust zu sterben, noch weniger, als Frömmler zu leben. Bereits in jungen Jahren war ihm klar, dass er sich der Religion nicht unterwerfen konnte. Er wurde als Muslim geboren, glaubte an Gott, aber die vorgeschriebenen Pflichten des Islam konnte er nie erfüllen. Für seine Sünden stand er gerade und verabscheute jede Heuchelei.

Stellen wir uns vor, jemand hätte meinen Vater hierzulande zu einer türkischen Feier eingeladen. Schon auf den ersten Blick hätte er die Gäste mit seinem Humor erfreut: "Mein Sohn, bitte schenke mir keinen Schnaps aus dieser Aldi-Tüte ein. Der ist mir zu billig! Meinst du etwa, der liebe Allah ist blind und sieht nicht, was du da tust? Oder diese Betrunkenen dort in der Ecke. Stell mein Glas auf den Tisch! Gottes Strafe dafür werde ich akzeptieren!"

Ich hatte aber eine sehr fromme Tante. Sie betete alle vorgeschriebenen Gebete, fünf Mal am Tag verneigte sie sich vor dem Allmächtigen. Und am Opfer-Kurban-Bajram gedachte sie ihres verstorbenen Mannes Mustafa. In seinem Namen ließ sie einen großen Schafsbock schlachten. Aber meine Tante war geizig und konnte diesem Fluch nicht widerstehen. So verteilte sie an die Familie oder an arme Menschen nur ein Viertel des Kurbans, drei Viertel landeten in ihrem Kochtopf. Gerade umgekehrt sollte es sein.

Ich erinnere mich an unseren Nachbarn, Avdić hieß er, der die Böcke für den Opfer-Bajram züchtete. Er war ein Schlitzohr, konnte die kümmerlichsten Tiere zu den teuersten Preisen verkaufen. Und sich danach über die Dummheit seiner Kunden lustig machen.

Auch ich konnte meinem Laster nicht entkommen. Ich wurde vomSchaitan selbst geritten, gerade diese schrägen Charaktere in meinen Geschichten darzustellen. Die Warnungen, das zu unterlassen, nahm ich nie wahr. Scheherazades Fluch ist mir zu einer Droge geworden, in deren Rausch ich keine Ängste kannte. Nur ich war nicht geschickt, um meine Geschichten märchenhaft zu schmücken. Als meine Charaktere wählte ich immer die Menschen aus, über deren Makel ich mich lustig machen konnte. Ernüchterung und Alpträume ließen nicht lange auf sich warten.

In der letzten Nacht träumte ich mir davon, ich wäre vor ein Gericht der Gerechten gestellt worden. Sowohl der Kläger als auch der Richter hatten vermummte Gesichter, aber dieselbe Stimme, die Stimme eines strengen Imam aus unserer Gemeinde.

"Wer hat dir das Recht gegeben, solche Karikaturen aus Muslimen zu machen?" zischte der Mann ohne Gesicht.

"Verehrtes Gericht, ich weiß nicht was Sie meinen!" ich mimte die Unschuld in Person.

 "Warum schreibst du nur über schlechte Muslime wie deinen Vater!" - erhob er seine Stimme.

"Aber mein Vater war ein guter Mensch. Er hat Tag und Nacht gearbeitet, um unsere Familie zu ernähren. Ich habe mit seiner Hilfe die Schule absolviert. Ab und zu ein Paar Gläschen, das ist doch keine Sünde, oder ..."

"Was macht dieses Schlitzohr, Avdić, in deiner Geschichte?" - unterbrach der Richter mich.

"Avdić, den Kurban-Züchter meinen Sie? Er war auch ein guter Mensch. Er hat meinen Bruder aus dem Hochwasser führenden Bach gerettet", belehrte ich ihn.

"War diese Eule, diese Tante, die die Vorschriften der Religion nicht achtete, auch eine gute Frau?" lachte er, aber sein Blick bohrte mich durch.

"So schlimm war sie doch nicht. Sie konnte wunderschön singen, besonders unsere Volkslieder, sogenannte Sevdalinken ..."

Das war ein böser Traum. Nach dem Erwachen begriff ich, dass der Richter mich schon vor die Tür gesetzt und mir Hausverbot verpasst hatte. Ich durfte nie mehr in der Gemeinde erscheinen.

Jetzt frage ich mich, war das ein Traum oder Wirklichkeit?

 

Jetzt kommt die zweite Geschichte

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Hilde Domin (1909-2006) Leben und Dichtung

Veröffentlicht am 12.03.2021

Mit leichtem Gepäck auf der Suche nach der Heimat

 

Ich kann die Story über die Lyrikerin Hilde Domin nicht   beginnen, ohne Ihnen, liebes Publikum, die Situation zu beschreiben, in der mir ihr Name das erste Mal begegnet ist. Das geschah in der Zeit meiner Heimatlosigkeit, und das ist die Verbindung zwischen uns beiden, weil die Dichterin auch länger als zwei Jahrzehnte heimatlos war. Ein Merkmal aller Diktaturen ist, „Menschen wie wir, wir unter ihnen“, wie Domin dichtete, gnadenlos zu vernichten und zu vertreiben.  

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Ex-Jugoslawien als eine Föderation der Südslawen eingerichtet. Diese sozialistische Republik hat man im Westen oft politisch verklärt, indem man sie als ein gelungenes Konglomerat von Religionen und Kulturen bezeichnete. Es ist mir rätselhaft, wie dieses idealistische Bild meiner ersten Heimat entstehen konnte, weil sie im Prinzip eine Diktatur war, in der Ideologie, Zensur und Selbstzensur alle Freigeister – Denker und Künstler – lähmten und mundtot machten. Die Machthaber passten wohl darauf auf, welche Bücher man aus dem Westen, auch aus dem deutschsprachigen Raum, in unsere Sprache übertragen durfte. Die Herausgeber der marxistischen Schriften wurden reichlich unterstützt, und diese Werke stellten die Pflichtlektüre dar, an allen Schulen und Fakultäten. Deutsche Klassik war auch beliebt, von Goethe bis Thomas Mann. Die Werke des Nobelpreisträgers zum Beispiel lieferten eine Menge an Beweisen, dass die Kapitalisten seit eh und je eine verdorbene, dekadente Kaste bildeten, die Arbeiter ausbeutete.

Die Werke von Autorinnen wurden sehr selten übersetzt, außer denen der Sozialistin  Rosa Luxemburg, die mich persönlich nicht interessierten. 

Die Schriftstellerinnen und Denkerinnen der deutschen Sprache waren mir vollkommen unbekannt, und überhaupt hatte ich keine Ahnung davon, wie sich die Kultur in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt hatte.

Anfang der Neunziger krachte der Sozialismus in Ex-Jugoslawien zusammen, besonders verheerend und blutig in Bosnie+n und Herzegowina. In einem fast vierjährigen Krieg registrierte die Kriegsstatistik etwa 150 000 Tote, meist Muslime, und eine Million Flüchtlinge. 

Meine Familie hatte mit viel Glück überlebt und Ende 1992 landeten wir in Deutschland, in einem uns total fremden Land. Einerseits waren wir, meine Töchter und ich, dem Schicksal dankbar, weil wir dem Inferno unversehrt entkommen waren. Anderseits aber geriet ich in ein geistiges Vakuum, das ich psychisch kaum ertragen konnte. Ich hatte keine Sprache zum Lesen und ohne Lesen konnte ich mir mein Leben nicht vorstellen. Ein paar absolvierte Deutsch-Kurse reichten aber gerade, um als Haushaltshilfe arbeiten zu können.

Niedergeschlagen und von meiner Sprachlosigkeit gehandikapt, wohnte ich eines Abends 1993 einem Kirchenkreis bei, der im Wohnzimmer einer engagierten, deutschen Familie stattfand. Es ging um humanitäre Hilfe für die Kriegsflüchtlinge in Bosnien. Die Gastgeber und ihre Freunde besprachen die Transportmöglichkeiten für die gesammelten Hilfsgüter in die belagerte Stadt Sarajevo.

Ich konnte kaum verstehen, worüber sie diskutierten. Auf einem kleinen Tisch zwischen zwei Sofas lag ein Gedichtband, den ich gedankenlos aufschlug. Plötzlich las ich Worte, die ich verstehen konnte: „Sisyphus“, das war der Titel eines Gedichts, darunter eine Zeile mit: Variationen, Imperativ, Mallarmé“. Für einige Sekunden fand ich mich in meiner Welt wieder und merkte mir den Namen der Dichterin: Hilde Domin. Ich überflog ihre Biographie und das Wort „Exil“ fiel mir auf. Exil war ein Code, der mir vertraut vorkam.

„Diese Dichterin ist jetzt sehr in“, sagte die Frau, die neben mir saß. „In“, verwundert sah ich mich um, weil ich das als „Hilde Domin ist unter uns“ verstand. Zum Glück sagte ich das nicht laut.

Beim Abschied schenkte mir die Gastgeberin Domins Gedichtband. Es dauerte eine Weile, bis sich mein Deutsch so weit entwickelt hatte, dass ich Domins Gedichte wirklich lesen und verstehen konnte. Aber von Anfang an hatten sie für mich eine heilende Wirkung. Sie weckten mein Interesse für die anderen Dichter, Schriftsteller und Denker Deutschlands, die in der Ära der Nationalsozialisten verfolgt und vernichtet worden waren. Das half mir, meine Probleme zu relativieren, mich aufzuraffen und das Exil als eine Bereicherung zu betrachten.

Nun beginne ich endlich mit ihrer Geschichte, die mich so tief berührt hat, genauso wie ihre Gedichte.

 

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Theorie und Praxis

Veröffentlicht am 10.03.2021

Warten auf den„man“-Messias

Wer kümmert sich um die muslimischen Frauen?

 

Seit etwa zwei Jahrzehnten sind viele wirkliche und selbsternannte Freidenker aufgetreten, die in der Medienlandschaft  als kompetente Islam-Experten und Kenner der gesellschaftlichen Zerwürfnisse fungieren. Sie arbeiten gewöhnlich in Hochschulen und tragen die höchsten akademischen Titel. Sie haben das Privileg, sowohl ihre Erfahrungen als auch ihre Analysen der Situation in den ghettoisierten muslimischen Gemeinden an die Öffentlichkeit zu bringen. Dafür stehen ihnen alle möglichen Medien zur Verfügung. Ihre Berichte registrieren übereinstimmend eine auf der Strecke gebliebene Integration (und fordern verstärkte Bemühungen). Man kann sie kaum voneinander unterscheiden. Sehr gefragt sind sie immer dann, wenn die Gesellschaft wieder einmal durch grausame Taten zugewanderter junger Männer erschüttert worden ist, handle es sich um Terrorattacken irgendwo in Europa oder um Vergewaltigungen und Ermordungen junger deutschstämmiger Mädchen und Frauen.

Die Liste solcher in der Öffentlichkeit stehenden Forscher und Analytiker ist nicht lang. Ich könnte ihre Namen rasch aufzählen. Aber das unterlasse ich, denn sie sind ohnehin gut bekannt.

Natürlich gibt es auch viele Forscher, Publizisten und Journalisten mit  deutschen Namen, die immer wieder das Scheitern der Integration feststellen, ganz ähnlich wie die eingedeutschten Denker und Analytiker.

Als Schriftstellerin versuche ich zum einen, die Situation der Menschen, die ihre Herkunft mit der Orientierung an den sogenannten Werten der deutschen Gesellschaft vereinbaren wollen, in meinen Werken kritisch zu erfassen. Zum anderen bemühe ich mich, aufklärende Kulturprojekte zu entwickeln und diese an die Alltagswelt der Zugewanderten und ihrer Nachkommen heranzutragen. Das liegt mir besonders am Herzen, zumal ich zeit meines Lebens immer wieder mit einem doppelten Dilemma der Zugehörigkeit konfrontiert war, nämlich dem meiner slawischen Herkunft und dem meiner muslimischen Wurzeln. Hinzu kam die Weiterbildung in der deutschen Sprache und Kultur – ich halte mich seit Jahren für ziemlich eingedeutscht. Ich fühle mich innerlich getrieben, etwas zu tun, um die verhängnisvolle Situation nicht nur zu beschreiben, sondern auch zu ihrer Überwindung beizutragen.

Deshalb versuche ich seit Jahren, solche oben erwähnten Forscher, Kenner, Analytiker, Journalisten, Publizisten zu kontaktieren, meist per E-Mail oder telefonisch, in der Hoffnung, dass sie meine Berichte, Vorschläge und Anregungen wahrnehmen. Wahrscheinlich bin ich ihnen lästig, zumal ich sie stets frage, was wir an der Basis unternehmen können, um endlich die Tür zur Integration zu öffnen, insbesondere für diejenigen, die schon jahrzehntelang in diesem Land leben. Auf meine Initiativen mit dem Schwerpunkt „Frauen und Nachwuchs“ erhalte ich nur sehr selten eine Antwort. Ab und zu landet in meinem Postfach ein Schreiben  mit einem knappen Dankeschön für meine Informationen: Sie seien sehr wertvoll. Manchmal gibt man mir auch das Versprechen, meine Werke weiterzuempfehlen, obwohl ich gar nicht darum gebeten habe.

 

Wer ist und wo befindet sich jenes „Man“, das alles richten soll?

 

Die Liste meiner Adressaten ist lang. Hier möchte ich nur einen meiner gescheiterten Versuche darstellen, in dem sich meine ganze Frustration wegen der Blockade an der Basis offenbart.

Nach dem grausamen Tod von mehreren Mädchen und jungen Frauen, ermordet durch junge Männer aus anderen Kulturen, wurde eine Islam-Expertin und Forscherin, Frau Dr. Sch., von vielen Medien um eine Beurteilung gebeten. Ich zitiere zwei Aussagen von ihr, die mich dazu bewegt haben, ihr zu schreiben:

„Viele junge arabische Männer sehen Frauen als ‚reine Sexobjekte‘, mit denen man tun kann, was man möchte.“

 Und dann erläutert sie, was aus ihrer Aussage folgt:

„Darüber hinaus geht es natürlich auch darum, dass all das, was ja bei uns auch in langen und zähen Auseinandersetzungen schwer erkämpft worden ist, nämlich die Gleichberechtigung von Männern und Frauen, beileibe keine Selbstverständlichkeit ist, auch nicht in unserer eigenen Geschichte, dass das jetzt natürlich auch verteidigt werden muss gegenüber Zuwanderern, die nicht davon überzeugt sind, dass Frauen und Männer die gleichen Rechte haben.“

Ihre Aussagen haben mich nicht nur erschüttert, sondern auch empört, zumal Frau Dr. Sch. nur die deutschen Frauen, die von arabischstämmigen Männern als „Sexbeute“ wahrgenommen werden, im Sinn hatte. Ich konnte das nicht einfach auf sich beruhen lassen. Deshalb schrieb ihr die folgende E-Mail:

 „Sehr geehrte Frau Sch.,

ich bin eine eingedeutschte Schriftstellerin mit slawisch-islamischen Wurzeln. [….]  Ich schreibe Ihnen bezüglich Ihrer Äußerung, dass es jetzt sichtbar geworden sei, was für ein Frauenbild die jungen zugewanderten Männer aus anderen Kulturen hätten.

Ich bin ganz Ihrer Meinung, jetzt weiß jeder, nicht nur die AfD, wie sie ticken, sich untereinander schlagen, null Respekt vor allem haben, wie sie prügeln und töten. […]

Wenn Sie aber als Forscherin in diesem Gebiet tätig sind, wissen Sie sicher, dass alle diese Grausamkeiten gegenüber Frauen schon vorhanden waren, aber unsichtbar, in den Parallelgesellschaften, wo die deutsche Öffentlichkeit sie sehr selten wahrnahm oder komplett ignorierte.

 Sie wissen sicher, wie viele Mädchen gezwungen werden, ihre Cousins zu heiraten, um dann von denen vergewaltigt zu werden. Wie viele Mädchen sich umbringen, weil sie nicht so leben wollen. Oder sie wurden von der eigenen Familie umgebracht, nur weil sie einen Freund aus anderen Kulturen hatten. Vor einigen Jahren hat Dr. Meryam Schouler-Ocak eine Aktion in Berlin gestartet: ‚Beende Dein Schweigen, nicht Dein Leben.‘ Das hat nicht viel geholfen, die deutsche Gesellschaft hat sich wenig darum gekümmert, die Rechte der zugewanderten Frauen zu stärken. Zu den ewig Gestrigen, die schon vorhanden sind, kommt vielleicht noch eine Million junge Männer dazu, die von dieser Kultur keine Ahnung haben. Ich lebe an der Basis und ich bin sicher: Ihre Sozialisation kann nicht nur durch Forscher, durch Sichtbarmachung oder die Diskussionen in den Talkshows stattfinden. Welche Krankheit könnte man nur durch Diagnosen, aber ohne passende Medikamente heilen? Diese Frage habe ich persönlich an zahlreiche deutsche Institutionen und Redaktionen gestellt und wurde immer wieder mehr oder weniger unfreundlich abgewiesen. Besonders grob und herablassend von den engagierten deutschen Frauen.

     Mit vielen freundlichen Grüßen und auch Wünschen für eine Zusammenarbeit.

     Um der jungen Menschen auf beiden Seiten willen.

             Safeta Obhodjas“

 

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Safeta Obhodjas, Autorin auf Bosnisch und Deutsch, Sargon Boulus, Dichter auf Arabisch und Englisch

Veröffentlicht am 10.03.2021

Legenden und Staub - auf christlich-islamischen Pfaden des Herzens

 Einleitung

 

Im Frühling des Jahres neunzehnhundertachtundneunzig trafen sich zwei Schriftsteller aus unterschiedlichen Gegenden der Welt im Künstlerdorf Schöppingen, Nordrhein-Westfalen: Safeta Obhodjas, bosnische Muslimin, die Sprache ihrer Prosa ist slawisch, Deutschland ihr Exil, und Sargon Boulus, arabischer Dichter, assyrischer Christ aus dem Irak, seit langem schon Weltreisender.

Bereits in den ersten Gesprächen entdeckten sie, daß sie sich mit einem bescheidenen Vokabular arabischer, türkischer, undpersischer Herkunft unterhalten konnten, das in Safetas slawischer Sprache überlebt hatte. Es seien nur einige schöne Worte erwähnt: Asik (Liebster), Nadir, somun (Fladenbrot) sevdah (Liebe), dud (Maulbeere), hamam (Bad). Beide haben zudem dasselbe Sternzeichen: Wassermann. Wenn man in ihren Biographien weitere Berührungspunkte finden will, muß man sich schon anstrengen.

Ihre wie seine Familie waren arm, aber auf unterschiedliche Weise. Sein Vater war ein landloser Arbeiter, der bei den Engländern, den damaligen Kolonialherren des Irak, eine Anstellung fand, später bei Erdölgesellschaften in Kirkuk und Bagdad. Ihr Vater war Arbeiter, aber als seine Jugend verrann, kaufte er ein paar Äcker in der Nähe von Pale, sechzehn Kilometer vor Sarajevo, und schuftete dort Tag und Nacht, um seine Kinder zu ernähren. Sargons Heimat ist bekannt für die langen und heißen Sommer, Safetas für die langen, schneereichen Winter. Er begeisterte sich in seiner Jugend eine Zeitlang für die kommunistische Revolution und Revolutionäre, träumte davon, daß diese große arabische Welt über Nacht in eine ›helle Zukunft‹ gehen würde. Dann begriff er, daß er persönlich nur an einer einzigen Revolution teilhaben wollte: der Erneuerung der arabischen Poesie, seit seinem sechzehnten Lebensjahr widmet er sich ihr und wurde rasch zu einem ihrer Hauptvertreter. Safeta kam zu ihrem ›Glück‹ in einem Land zur Welt, das nach dem Zweiten Weltkrieg den hinterwäldlerischen Kapitalismus mit dem Sozialismus vertauscht hatte. In ihrer Jugend glaubte sie an Titos Illusionen, daran, daß die Völker ihrer Heimat auf Dauer in Frieden und gegenseitigem Verständnis leben würden. Ihre persönliche Revolution ereignete sich – viel später als die seine –, als sie sich dem dreißigsten Lebensjahr näherte und beschloß, in der Literatur jenes Landes neue Themen aufzugreifen: Sie wollte die Gesellschaft der Gegenwart und die Rolle der Frauen beschreiben. Ihr Sinn für praktische und rasche Problemlösungen wurde durch langjährigen Zeitmangel geformt. Nur mit einem gut organisierten Alltag konnte sie neben allen Verpflichtungen einer ganztags arbeitenden Ehefrau und Mutter einige Stunden fürs Schreiben und Lesen abzweigen. Im eng abgezirkelten Familienleben war für Spontaneität und durchwachte Nächte kein Platz. Eine regelrecht professionelle literarische Arbeit begann sie erst in reifen Jahren, im Exil. Lange dauerte es, bis sie sich daran gewöhnt hatte, daß ihr das Schreiben eine besondere Rolle in der Öffentlichkeit verschaffte, und ihre Lebenserfahrung und ihr Denken für andere Menschen interessant waren.

Sargon hat niemals geheiratet, er hat keine Kinder, hat sich nie an einen Ort gebunden und nie geglaubt, daß er irgendwohin gehöre. Für ihn gestalten sich die einfachsten Dinge des praktischen Lebens zum Problem. Mit fünfzehn oder sechzehn begann er seine Laufbahn als Berufsschriftsteller, er hat in Krisenzeiten diesen Weg oft verlassen, kehrte aber jedesmal zu ihm zurück, denn er konnte nicht ohne die Illusion leben, daß dem dichterischen Wort jene Magie eignet, welche die Welt im Innersten zusammenhält. Seine umfassende Kenntnis verschiedener Kulturen, besonders ihrer jeweiligen Literatur, gibt er mit Begeisterung weiter, besonders an junge Menschen. Er hat längst vergessen, daß die Nacht zum Schlafen da ist. In ihr feilt und hämmert er mit leiser Intensität in seiner Dichterwerkstatt. Während er mit seinem gemächlichen orientalischen Schritt um die halbe Welt gezogen ist, hastete sie in immerzu auf kleinem Raum hin und her, denn ihr standen nur die fünfzehn, sechzehn Kilometer zwischen Sarajevo und Pale zur Verfügung. Als Safeta neunzehnhundertsiebenundsechzig ihre erste Tochter gebar, brach Sargon mit dem Kopf voller Träume von Bagdad nach Beirut auf. Dort angelangt, träumte er von dem Tag, an dem er sich nach Amerika einschiffen würde. Als neunzehnhundertdreiundsiebzig ihre zweite Tochter zur Welt kam, war ihm Amerika schon zu eng geworden. Er bereiste mehrmals den alten Kontinent, weilte monatelang in Paris und London, fuhr durch Deutschland, kehrte aber immer wieder nach San Francisco zurück. Vor fünf Jahren verkraftete seine Psyche das Tollhaus der amerikanischen Zivilisation nicht mehr, er ließ alles zurück, sogar seine umfangreiche Privatbibliothek, in der er alle bedeutenden literarischen und philosophischen Werke von Orient und Okzident zusammengetragen hatte, packte seine Koffer und kaufte ein One-way-Ticket nach Europa. Berlin, Köln und München waren Stationen, an denen er sich länger aufhielt, ab und zu sogar für mehrere Monate.

Kurz bevor er Amerika verließ, zerschnitten der Krieg in Bosnien und der Genozid an dem Volk, dem sie angehörte, Safetas Bindung an einen Ort. Mit ihrer Familie kam sie nach Deutschland. Der Instinkt, die Kinder aus der Kriegskatastrophe des Balkan zu retten, führte sie dorthin. Sie hatte das Glück, daß sie in dieser Wartehalle auf Rückkehr in die Heimat nicht nur warten mußte, ihr Exilland wurde zum Ort schriftstellerischer Arbeit.

So trafen sich ihre Wege im Künstlerdorf Schöppingen. Er war neunzehnhundertsiebenundneunzig dort Stipendiat, sie neunzehnhundertachtundneunzig.

Nachdem sie sich ein paar Nächte hindurch über Gott und die Welt unterhalten hatten und er sich schon auf seine Fahrt nach London vorbereitete, sagte Sargon: »Wenn wir gescheit wären, würden wir unsere Gespräche aufzeichnen, daraus kann ein ganzes Buch werden.«

 

 

 

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Mein erster Streaming-Auftritt

Veröffentlicht am 17.02.2021

Liebe Leserinnen und Leser,

am 11.03.2021 habe ich meine erste Streaming-Lesung aus dem Roman „Schwesternliebe – eine Halal-Seifenoper". Die ganze Organisation hat Frau Ursula Lauterjung übernommen, die mein Engagement seit Jahren unterstützt, wofür ich ihr sehr dankbar sind. Die Corona-Krise hat auch mich erwischt und ausgebremst, sodass ich keine Chance hatte, diesen Roman, der im vorigen Jahr erschienen ist, dem Publikum vorzustellen. Das ist das erste Mal und digital.

Schwesternliebe - eine Halal-Seifen-Oper 

Hier nur eine kurze Beschreibung dieses Buches

Meryam wird in eine arabische Familie in Deutschland hineingeboren. Als Teenie rebelliert sie gegen die traditionelle Lebensart ihrer Familie. Ihre Mutter stiftet den ältesten Sohn an, Meryam zu verprügeln. Diese läuft von zuhause fort und versteckt sich bei der Familie ihrer Schulfreundin Anne. Von einer staatlichen Einrichtung betreut, arbeitet Meryam hart, studiert, und es gelingt ihr, als junge Frau auf eigenen Füßen zu stehen. Nach dem Studium arbeitet sie als Assistentin in einer Anwaltskanzlei, während Anne im Sozialwesen tätig ist. Von der Freundin erfährt Meryam, dass ihre Großfamilie nicht mehr existiert: Einige Mitglieder sind tot, andere im Knast oder krank. Nur ihre Schwester, die noch ein Kind war, als Meryam das Elternhaus verlassen hatte, ist übriggeblieben und obdachlos geworden. Anne setzt Meryam unter Druck, ihre noch immer minderjährige Schwester bei sich aufzunehmen. Letztendlich holt Meryam ihre Schwester zu sich. Doch die Weltanschauungen der beiden prallen aufeinander. Die jüngere Latifah hat die traditionellen Werte ihrer Mutter verinnerlicht und verabscheut Meryems westliche Lebensart. Anne verlangt von ihrer Freundin, Geduld mit der Schwester zu haben … Aber Geduld ist kein Zaubermittel, um diesen culture clash zu verhindern. 

 

Später werde ich einen kurzen Auszug in den Blog eintragen

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Mein Erzählband "Das Geheimnis - die Frau"

Veröffentlicht am 05.02.2021

  Sarajevo, im Jahr 1982

 Die Freundin

Mein erster Erzählband auf Bosnisch „Die Frau und das Geheimnis“ entstand Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre in Pale, wo ich lebte, und in Sarajevo, wo ich arbeitete. Das waren die ersten Storys, die ich in den unterschiedlichen Kulturzeitschriften und manchmal auch im Rahmen der literarischen Radio-Sendungen publizierte. In dieser Zeit gab es im ganzen serbokroatischen Sprachraum – damals hieß unsere Sprache Serbokroatisch, die später in: Bosnisch, Kroatisch, Serbisch geteilt wurde -, gab es kaum Literatinnen, die die Prosa schrieben, nur ein Beispiel: in der ersten Anthologie der Kurzstorys in Bosnien und Herzegowina (1978) erschienen fast dreißig Geschichten, davon nur drei aus der Feder einer Frau. In den literarischen Werken unserer Männer wurden Frauenfiguren meist stereotypisch dargestellt: entweder als hingebungswolle Mütter, Schwestern, Ehefrauen oder als böse Femme Fatale, die den hilflosen Männern den Verstand raubten und sie ins Unglück verführten. Mit dem Leben unserer Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hatte unsere ganze Literaturszene nichts zu tun, insbesondere nichts mit der Lage der Frauen in der Gesellschaft.  

In meinen Geschichten wollte ich mich mit solchen Stereotypen auseinandersetzen und die Realität meiner Zeitgenossinnen darstellen. Aber bald habe ich begriffen, dass die modernen Themen voller Heimtücken waren; ich musste wohl aufpassen, nicht aus dem Rahmen der ideologischen Korrektheit zu fallen.

An vieles aus dieser Zeit meiner Anfänge als Schriftstellerin kann ich mich gut erinnern aber ein Moment hat sich besonders tief in mein Gedächtnis geprägt.  Als ich die Geschichte „Die Freundin“ schrieb, ist es mir klar geworden, dass es nicht egal war, welche Namen meine Protagonisten im Plot trugen. Die Erkenntnis von damals hat nie aufgehört, ihre Warnung in meinem Hinterkopf auszustrahlen, bis heute.

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Mein Schreiben auf Bosnisch 1

Veröffentlicht am 30.01.2021

Ein Genre-Raster der politischen Korrektheit

Ich habe nicht gezählt, wie viele Male ich durch so ein Raster bei den deutschen Verlagen und Agenturen durchgefallen bin. Vielleicht war nicht immer dasselbe Raster im Spiel, aber die Durchfälle waren gleichermaßen schmerzhaft. Und jedes Mal, wenn ich mit meinem neuen Manuskript versucht habe, das Interesse eines Lektorats zu wecken, dachte ich an die dänische Schriftstellerin Karin Blixen (1885-1962) (Jenseits von Afrika), die einmal ihrer Sekretärin sagte: „Wir haben so lange allein gearbeitet, nun muss endlich etwas von außen kommen.“ Unter außen meinte sie: Aus der literarischen Welt, der Blixen sich verschrieben hatte, müssten endlich Interesse, Unterstützung, Anerkennung zu ihr kommen. Sie wäre müde, selbst nach ihnen zu suchen. Dieses Glück traf irgendwann ein, vielleicht als sie begann, ihre Manuskripte unter dem männlichen Pseudonym Isak Denisen an die Lektorate zu senden.

Lange Zeit dachte ich auch: nach so viel Arbeit in der Einsamkeit würde mir ein bisschen Interesse und Unterstützung aus der literarischen Welt guttun. Leider wurde das nie zur Wirklichkeit, fast nichts kam zu mir von außen. Irgendwann hörte ich auf, auf so ein Wunder zu hoffen und nach einem deutschen Verlag zu suchen. Trotzdem wollte meine literarische Berufung mich nicht loslassen, und drängte mich weiter zu schreiben, meist zweisprachig, zuerst auf Deutsch, danach folgte die Übertragung ins Bosnische. Gerade jetzt, mitten in der Corona-Pandemie, ist mein Roman Bitter waren die Früchte in Goethes Obstgarten im Verlag Bosnisches Wort – schönes Wort auf Bosnisch erschienen, dessen Veröffentlichung von einem Deutschen privat unterstützt wurde.

Bei demselben Verlag habe ich früher etliche Bücher publiziert, unter anderen die Romane Scheherezade im Winterland und Die Bauchtänzerin. Mein erster Roman Auf einem bosnischen Gastmahl ist nie auf Bosnisch erschienen, nur auf Deutsch. Die Hauptfiguren in diesen drei Romanen sind Amila, eine arbeitslose Biologin, Nadira, eine Journalistin und Schriftstellerin und Vildana, eine Designerin und Schneiderin. Alle drei Frauen kommen zusammen in meinem neuen Werk. Wegen des Kriegsinfernos mussten sie ihr Heimatland verlassen. Danach landeten sie in Deutschland, wo sie sich im Frauenzentrum Schwestern in Not kennenlernten und anfreundeten. Dieser neue Roman handelt davon, wie sie im Frauenzentrum auf die Idee kamen, natürlich mit der Unterstützung dessen deutscher Leiterin, ein multikulturelles Projekt ins Leben zu rufen, in dem auch Goethe selbst eine Rolle spielt.  

Hier der Link des Romans Bitter waren die Früchte in Goethes Obstgarten , wo Sie sein Cover auf Bosnisch sehen können.

https://bosanska-rijec.com/romani/opori-su-bii-plodovi-u-goetheovom-voćnjaku-detail.html

Weiterlesen die ersten Seiten des Romans auf Deutsch

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Scheinsolidarität

Veröffentlicht am 11.01.2021

 Feministische Scheinsolidarität als Integrationshindernis

 

„In deinem Text hört man einen persönlichen Schrei danach, gehört zu werden“, so ungefähr lautet einer der Vorwürfe, die ich meist von Frauen höre, wenn ich offen über die Unterdrückung der Migrantinnen, nicht nur Musliminnen, in der Familie und in der Gesellschaft rede und meine Storys vorlese.
Ich gebe zu, ich wünsche mir, mehr gehört zu werden, aber das hat nichts mit meiner Person zu tun. Es ist allgemein bekannt, dass die Frauensowohl in den Parallelgesellschaften als auch den optisch gut integrierten Kreisen der Zugewanderten, ihre Unterdrückung im Namen der Tradition, der Nation und der Religion sehr oft schweigend erdulden. Meiner Meinung nach es ist meine Pflicht, als eine schreibende, nicht deutschstämmige Frau mit islamischen Wurzeln darüber Klartext zu reden. Wenn ich auch in Kauf nehmen muss, dass mir einige insbesondere deutsche Leserinnen und Kolleginnen, wegen meiner Kritik am Klima der Ignoranz in der Gesellschaft, eine rechte oder sogar nazistische Gesinnung attestieren.
Ich habe mich entschieden, wenigstens auf meinem Blog nichts politisch zu relativieren, egal wie viele negative Reaktionen und Bezeichnungen ich für meine Kritik der gescheiterten Integration kassieren muss.

 

Integration als absurdes Theater aus weiblich-traditioneller Rückständigkeit, undifferenzierter Empathie und blinder Egomanie

 

Erst viele Jahrzehnte nach der ersten Welle der Gastarbeiter verkündeten die demokratisch gewählten Vertreter des Volkes, nicht ganz freiwillig und ziemlich kleinlaut, dass Deutschland doch ein Zuwanderungsland geworden sei. Diesem Lippenbekenntnis der Politiker folgten jedoch keinerlei praxisorientierte Konsequenzen: Weder wurden Sprach- und Integrationskurse angeboten, noch wurde eine schulische und soziale Infrastruktur aufgebaut, mit der man  dem Nachwuchs aus den meist kinderreichen, aber nicht des Deutschen mächtigen Familien der Zuwanderer hätte unter die Arme greifen können. „Fördern und Fordern“ stand Ende der neunziger Jahre auf keinem der Programme der politischen Parteien. Diese Aufgabe wurde meist von Freiwilligen übernommen. Mit Unterstützung engagierter Lehrer oder Nachbarn schafften es einige aufgeweckte Jugendliche aus diesem Milieu, sich durch das Schulsystem bis zu einem Studienabschluss hindurchzuboxen. Dort dann standen sie vor einem weiteren Hindernis, ihrer sozialen Herkunft nämlich. Politische Maßnahmen im Interesse der „Chancengleichheit für die  Zugewanderten“ – Fehlanzeige. Sie wurden durch eine diffuse Toleranz ersetzt, deren Motto: „Jedem seine Religion und seine Kultur“ sich aus dem Weltbild der aufgeklärten Deutschen ableitete. Zu denen, die so dachten, gehörten Politikerinnen, Intellektuelle, Feministinnen und Aktivistinnen, die sich mit grünen und kosmopolitischen Weltanschauungen schmückten. Die Integration wurde zur Domäne der Frauen, zumal die Leitungspositionen in Schulen, Ämtern, Vereinen und Organisationen für Menschen- und Frauenrechte meist weiblich besetzt waren. Im Grunde genommen versteckte sich die Politik hinter solcher Scheintoleranz.

Nach und nach entstand eine Bühne für die „Integrationsfestspiele“, bei denen von Anfang an zwei völlig verschiedene Gruppen gegenüberstanden. Auf der einen Seite standen die kaum gebildeten Mütter, Großmütter, Großtanten und älteren Schwestern, die in den Familien und Sippen der Angekommenen das Sagen hatten; auf der anderen Seite hielten die deutschen Akademikerinnen das Zepter in der Hand, dazu meist auch den Schild eines Studiums im sozialen Bereich. Diese Frauen hatten ihre Kräfte schon im Kampf für ihre Gleichberechtigung erprobt, und das hat sie hart, aber nicht unbedingt solidarisch mit den schwächeren Zeitgenossinnen gemacht.

Zwischen diesen beiden Lagern türmten sich viele Barrieren, sprachliche, kulturelle, religiöse …

Die Frauen der ersten Gruppe leiteten ihre Macht von der Tradition und der Religion ab, sogar in noch größerem Ausmaß als die Männer. Als ich einige junge, gut gebildete, nicht deutschstämmige Frauen interviewt habe für mein Projekt „Lange Schatten unserer Mütter“, erzählten sie mir, dass ihre Ausbildung meist von den Vätern unterstützt und gefördert wurde, während ihre Mütter versuchten, sie an die Normen der Parallelgesellschaften zu binden. Zana Ramadani, eine engagierte Aktivistin und Aufklärerin, deren Buch Die verschleierte Gefahr derzeit hohe Wellen in den deutschen Medien schlägt, bestätigt in einem Interview die Aussagen meiner Gesprächspartnerinnen: Meine Mutter fand den Anschluss in Deutschland nicht. Sie telefonierte jede Woche stundenlang mit ihrer Familie zu Hause und blieb so in dieser Welt verhaftet. Die Werte und die Moral von dort, die mein Vater nie gemocht hatte, gegen deren Enge und Beschränktheit er sich gewehrt hatte, wurden immer wichtiger für sie. Weil die Deutschen als Ungläubige gelten und die deutschen Frauen als Schlampen, hatte sie, je älter ich wurde, desto mehr das Gefühl, mich kontrollieren zu müssen. Weil ich ja die Familienehre beschmutzen könnte (....) und sie daran schuld wäre.

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Mein Schreiben auf Bosnisch

Veröffentlicht am 01.01.2021

Frau und Feder – weibliche Charaktere in der mündlichen Literatur der Muslime in Bosnien

 

Meine erste Heimat, Bosnien und Herzegowina, hat anfangs der neunziger Jahre einen schrecklichen Krieg durchgemacht. Hunderttausende Menschen, überwiegend Muslime, wurden umgebracht und vertrieben und ihre Kultur wurde vernichtet. Mit den zerstörten Dörfern, Ortschaften, Stadtteilen und historischen Gebäuden verschwanden auch zahlreiche sowohl private als auch öffentliche Bibliotheken.

Nach dem Inferno hat man allmählich angefangen, Verlage und Bibliotheken zu erneuern. In der Stadt Tuzla, in Zentralbosnien, entstand der Verlag Bosnisches Wort – Schönes Wort, der meine Bücher auf Bosnisch publiziert. Zu meiner großen Freude haben viele Büchereien meine Werke erworben. Ab und zu erreichen mich sehr positive Feedbacks der Leser. Sie schreiben mir, dass sie manchmal monatelang warten müssen, um ein Buch von mir zum Lesen zu bekommen. Die Zahl der Exemplare ist begrenzt und deshalb entstehen Wartelisten derjenigen, die meine Bücher ausleihen möchten.

Vor einer Weile habe ich das Buch Frau und Feder, im Original: Žena i kalem, publiziert. (Das Wort Kalem hat die bosnische Sprache aus dem Türkischen übernommen und es bedeutet Feder oder Stift). In unserer volkstümlichen Literatur, in Poemen, Balladen oder Epen, wurden Frauen mehr oder weniger negativ dargestellt. Als junge Mädchen verfügen sie über eine verführerische Magie, mit der sie den Männern die Köpfe so verdrehen, dass sie sich ihretwegen ins Unglück stürzen. Manchmal sind die weiblichen Charaktere böse, manchmal gute Mütter, die ihre Söhne vergöttern oder anstacheln, böse Dinge zu tun. Einmal verheiratet, sind Frauen nur im Besitz ihrer Männer, die entweder durch ihre Heldentaten glänzen oder wegen ihrer Untaten verdammt werden.

In meinem Buch habe ich mich mit so einer Darstellung der Frau in der mündlichen Dichtung auseinandergesetzt. Aufs Korn nahm ich auch immer dieselben Analysen und Auslegungen dieser Literatur der gegenwärtigen Wissenschaftler. In meinen Essays versuchte ich darauf aufmerksam zu machen, wie diese nicht enden wollende, unkritische Wiederholung der veralteten Mythen in den Schulbüchern unter anderem dazu beitragen, dass unsere Gesellschaft so rückständig bleibt, besonderes bezüglich der Geleichberechtigung der Frauen.

Natürlich weiß ich nicht, ob meine Sicht und Absicht ein Umdenken bei den Lesern bewirken können. Aber das folgende E-Mail einer Studentin aus Sarajevo lässt mich hoffen, dass das doch manchmal stattfindet.

 

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Kontrolle

Veröffentlicht am 23.12.2020

 Ein Transfer in die rechte Ecke

 

Neulich erzählte eine Kollegin von mir in einer renommierten Kultursendung im Fernsehen von ihrem neuen Krimi dessen Inhalt ich teilweise kannte. Darin geht es nicht um das gegenwärtige Leben der menschlichen Spezies. Es scheint, dass die realistischen Problemedes Daseins keine Herausforderung für die Phantasie dieser Schriftstellerin darstellen. Das Buch handelt von einer Großstadt in Deutschland, wo eine ideale Gesellschaft aus der Zukunft lebt. Sowohl der öffentliche als auch der private Bereich sind vollkommen reguliert und überwacht, von wem auch immer, aber dieser jemand hat so viel Power, dass er die Grenzen schließen kann, wann immer er das will, und er ist fähig jedem Stadtbewohner alles zu schenken, was dieser zu einer gemütlichen Existenz benötigt. In dieser Stadt ist alles vorhanden außer Freiheit. Ein Kriminalfall in so einer idealen, geschlossenen Welt, das kann man sich schwer vorstellen.

Ich hörte sie reden und erinnerte mich an ein reales Treffen mit dieser Frau, an ein Gespräch, das viel absurder endete als das, was sie in der Sendung von ihrem futuristischen Roman präsentierte. Sie arbeitete auch als Lektorin in einem kleinen Verlag und deswegen kannte sie einige meiner Bücher. Vor diesem Treffen in Berlin hatte sie sich am Telefon als großer Fan meines literarischen Stils ausgegeben. Ich habe mich so gefreut, endlich einen richtigen Kontakt zu jemandem aus der Literaturwelt zu haben. Sie wünschte auch eine Begegnung live und bald bekamen wir eine Chance uns zu treffen, weil ich zu einem Festival nach Berlin eingeladen war. Ich träumte davon, ihr von meiner Arbeit an der Basis zu erzählen, von den Lesungen an den Schulen, von den Auftritten in den Multikulti-Vereinen, aus denen ich letztendlich mein Schreibmaterial schöpfte.

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Meine Schicksalsgefährtinnen

Veröffentlicht am 08.12.2020

In guter Gesellschaft mit Marina und Imgard

  Wuppertal, 1996 

 „Ein dunkles Loch. Konntest du nicht etwas Besseres finden?“, fragte mich meine Freundin und Unterstützerin Ingrid, als sie das erste Mal meine Wohnung in der Wiesenstraße betrat. Sie hatte recht, meine Behausung sah wirklich deprimierend aus, und das passte gut zu meinem seelischen Zustand. Tagsüber funktionierte ich irgendwie, ging zur Arbeit, manchmal in die Bibliothek, oder besprach mit der Übersetzerin Brigitte die Passagen aus meinen früheren Werken, deren Bedeutung ihr in meiner Muttersprache unklar war. Aber in den Abenddämmerungen fühlte ich mich elend einsam. Meine Deutschkenntnisse reichten zum Lesen solange das Schreiben in dieser Sprache noch in weiter Ferne lag. In dieser Zeit fiel mir das Buch „Die verbrannten Dichter“ von Jürgen Serke in die Hände, ein Lexikon mit vielen Schicksalen der deutschen Dichter und Denker, die während der Nazidiktatur vertrieben, ermordet oder in den Selbstmord getrieben worden waren. „Mir geht es im jetzigen Exil in Deutschland viel besser!“, ich bemühte mich positiv zu denken. Zwischendurch tauchte die russische Dichterin Marina Zwetajewa aus der Erinnerung auf. Über ihr Leben im Exil und ihre Tragödie im Heimatland hatte ich schon in Bosnien gelesen. Irgendwann, ich weiß wirklich nicht wie sich solche Prozesse im Gehirn entwickelten, begannen diese zwei, die russische Poetin und die Autorin Irmgard Keun, die zu den Verbrannten in Deutschland gehörte, einen Dialog miteinander zu führen. Ab und zu mischte sich auch meine Stimme in ihre Streitereien ein, und nach und nach begann ich aus ihren fiktiven Auseinandersetzungen ein Theaterstück zu machen, merkwürdiger Weise gleich auf Deutsch. Monatelang lebte ich praktisch mit diesen zwei Geistern in meinem "Wohnungsloch“. Das Theaterstück wurde erst zwanzig Jahre später, 2016, das erste Mal inszeniert. Diese zwei verlorenen Seelen besuchten mich immer wieder, wenn ich mich in einer Krise befand. Ich ließ sie noch einmal in meiner Novelle „Funken aus einem toten Meer“ wieder auferstehen, die ich im Jahr 2020 beim Verlag epubli veröffentlichte.

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Meine Realität heute

Veröffentlicht am 03.12.2020

Die Wahrheit, mit der ich die Gefühle der jungen Menschen als Muslime verletzte

Eine Lesung an einer Gesamtschule im Ruhrgebiet

 

Das war einmal: viele Gastarbeiter, überwiegend aus der Türkei, wurden in das Ruhrgebiet, einst ein riesiger Ballungsraum der Stahl- und Kohleindustrie, geholt, damit sie durch die Verrichtung von schwierigsten Jobsdem deutschen Wirtschaftswunder beitragen. Damals machten sie sich keine großen Sorgen um die Zukunft ihres Nachwuchses; den Familien, die meist die Arbeitersiedlungen bevölkerten, schien eine schulische Bildung ihrer Jüngsten nicht so wichtig. Die schwere Industrie Deutschlands kam allen wie ein Gigant vor, der in der Lage war, ihre Kindeskinder zu ernähren. 

Die Stadtzentren in den Städten waren lebendig, bereichert durch zahlreiche Läden der Einzelhändler.  Obwohl die Abgase aus vielen Schornsteinen der Industrieanlagen die Luft verpesteten und die Väter schwer schufteten, war das Leben doch erträglicher als in ihrer alten Heimat voller Armut.

Und nun, einige Jahrzehnte später, stellen wir fest: die schwere Industrie aus den Zeiten des Wirtschaftswunders ist passé, die Schornsteine sind längst weggesprengt, wobei viele Autos auf den Straßen ihre Rolle übernahmen und Gifte in die Luft auspusteten.  Mit der Umwandlung verödeten die Fußgängerzonen, in letzter Zeit sehen sie oft wie ein Abbild der billigen orientalischen Bazare aus. Der Nachwuchs der ersten Gastarbeiter blieb meist dort, wo seine Eltern gelandet waren. Aber seine Kinder, die nächste, dritte Generation, und dann eine weitere, bekamen bessere Bildungschancen und damit auch mehr Hoffnung auf ein Leben auf einem höheren sozialen Niveau. Leider, solche Zukunftsaussichten kamen zu spät, nachdem sich die Parallelgesellschaften in den deutschen Städten bereits geformt und abgeschottet hatten.

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Mein Exil vor zwanzig Jahren

Veröffentlicht am 01.12.2020

Safeta Obhodjas über Leben und Schreiben einer Exilautorin in Deutschland

 

Meine erste Heimat ist Bosnien und Herzegowina. Ich habe dieses Land nicht freiwillig verlassen, ich wurde 1992 in einer Welle der „ethnischen Säuberung“ wegen meiner islamischen Herkunft zusammen mit meiner Familie vertrieben. Ich landete in Deutschland, in einem mir bis dahin unbekanntem Land, wo ich das Glück erfahren durfte, eine neue Sprache zu erlernen, und mich dadurch als Schriftstellerin weiterentwickeln konnte.

Meine erste Zeit in Deutschland, 1992–95, war eine Flüchtlingsagonie: Tagsüber hatte ich ein großes Programm zu bewältigen, ich hatte drei Stellen als Putzfrau, musste meine Familie versorgen, Sprachkurse an der VHS besuchen, mehrere Stunden Deutsch lernen. Dabei ständig diese Gedanken an die Kriegskatastrophe in Bosnien: das Morden und Sterben, der Hunger und das Elend meiner Landsleute. Bosnien war in allen Medien präsent, seine Tragödie wurde jeden Tag live in die Wohnzimmer weltweit übertragen. Viele Deutsche engagierten sich und sammelten für die Leidenden in Bosnien. Sie brauchten eine Stimme, die gerade dem Krieg entkommen war. Ich machte mit, wobei ich nach und nach begriff, wie wichtig Deutschkenntnisse waren, wie es mir gut tat, mich auf Augenhöhe zu Wort melden zu können.

Literatur aus Bosnien war damals gefragt, aber nicht die meine. Der Mainstream wollte der deutschen Öffentlichkeit sowohl das kosmopolitische Sarajevo als auch das harmonische Miteinander von Kulturen und Religionen in Titos Jugoslawien vorführen. Ich aber hatte keinen Roman, der das schöne multikulturelle Märchen meiner Heimat zum Thema hatte. Mein Stil des Erzählens gefiel einigen Lektoren, deshalb wollten sie bei mir einen Liebesroman bestellen. „Ich schreibe keine Liebesromane. Ich schreibe über bosnische Frauen, die im Namen der Liebe ausgebeutet werden, sogar von ihren eigenen Familien“, antwortete ich. Man sagte mir: „Keine Emanze jetzt. Die Liebe zwischen einem serbischen Jungen und einem muslimischen Mädchen kann man zurzeit gut verkaufen.“ Ich konnte keinen Roman mit diktiertem Inhalt schreiben und blieb lieber bei meinen Putzstellen.

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