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Safeta ObhodjasSafeta Obhodjas

Digitale Bekanntschaft mit Sylke Kirschnick aus Berlin

Veröffentlicht am 29.05.2021

Wenn junge Frauen ihre eigene Versklavung herbeisehnen

 

Vor ein paar Wochen hat mich jemand mit der Petition Nicht ohne mein Kopftuch verlinkt. Und diese Petition hatte es in sich! Eine junge Frau namens Rabia, die sogar einen Posten an einer Universität bekleidet, wollte damit möglichst viele Unterschriften von Gleichgesinnten sammeln. Ihre Petition sollte die Gesetzgeber unseres Landes dazu bewegen, den Vertretern des politischen Islam entgegenzukommen und das gesetzliche Verbot der religiösen Symbole in den Bereichen, wo das Neutralitätsgebot gilt, abzuschaffen. Diese Bestrebungen sind nichts Neues.

Seit einigen Jahren fordern einige Kopftuchträgerinnen, die Jura studieren oder studiert haben, die Möglichkeit, eine Karriere im Justizbereich einzuschlagen, ohne ihre Kopftücher ablegen zu müssen. Aber eine feste Barriere hindert sie, ihre Wünsche zu verwirklichen: Da der Staat nur durch Personen handeln könne, bedeute dieses Neutralitätsgebot eine Verpflichtung für staatliche Amtsträger, so lautet die Erklärung des Gesetzgebers, warum eine Änderung nicht in Frage kommt.

Und Rabia wollte sich damit nicht abfinden und startete diese Petition im Namen von wem auch immer, um mehr politischen Druck auszuüben. Ich konnte so eine Aktion nicht schweigend hinnehmen und schickte Rabia die folgende E-Mail über die Organisation, die ihr für die Verbreitung ihres Anliegens als Plattform diente.

 

Hallo, Rabia,

 

meine kulturellen Wurzeln sind islamisch und slawisch geprägt, und als solche sind sie auch ein Teil meiner Identität. Aber erst aus einer europäischen Ausbildung hat sich bei mir die Fähigkeit entwickelt, klar und mit meinem eigenen Kopf zu denken.

Nach der langen Geschichte der Unterdrückung meiner weiblichen Vorfahren, auch durch Art des Kleidens, tut es mir wirklich weh, wenn ich immer wieder erfahre, dass junge Frauen im 21. Jahrhundert in Europa bereit sind, für ihre eigene Versklavung zu kämpfen.

Haben Sie, liebe Rabia, nichts Vernünftigeres in Ihrem jungen Leben zu tun, als so eine verlogene Petition zu verschicken, um die Unterschriften für so eine rückständige Sache zu sammeln?  Wem dienen Sie, wessen Marionette sind Sie? Was für Ideale haben Sie?

Mein inniger Wunsch ist, dass die Gesetzgeber in diesem Lande endlich dieses Stück Stoff verbieten, besonders für minderjährige Mädchen. Meiner Meinung nach wird das keine Diskriminierung sein, sondern eine Befreiung muslimischer Frauen oder wenigstens von deren Töchtern und Enkeltöchtern aus den Zwängen dunkler Mächte des politischen Islam. Ich will keine Lehrerin mit Kopftuch in der Schulklasse meiner Enkelkinder sehen. Ohne freie Köpfe gibt es kein freies Denken! Sagen Sie das Ihren Bossen.

Safeta Obhodjas

Jetzt kommt Sylkes Ermutigung

Meine E-Mail hat sich durch mehrere digitalen Kanäle, die ich nicht kannte, verbreitet und Sylke Kirschnick aus Berlin hat darauf reagiert. Zwischen uns zwei entwickelte sich ein reger Austausch. Was mich besonders gefreut hat, war ihr Feedback auf mein Theaterstück Lange Schatten unserer Mütter, das sie auf YouTube angeschaut hat.

 

         Liebe Safeta,

 

Dein Stück ist Klasse! Am besten hat mir Deine Figurengestaltung gefallen, der Humor in den Dialogen und das offene Ende.

Solche Stücke brauchen wir auf unseren Theaterbühnen!!!

Und ja, ich würde sehr gern mit Dir Tee trinken und quatschen. Es interessiert mich nicht nur das Thema des Theaterstücks sehr, sondern auch die Frage, wie wir hier alle besser miteinander klarkommen können. Ich glaube, dass das geht und dass Theaterstücke wie das Deine dazu beitragen, es herauszufinden. Das Ende des Stücks ist auch deshalb so brillant, weil Du nicht versucht hast, eine Antwort zu finden, die es eh so einfach nicht gibt. Die letzten Worte der einen Schwester: „Ich dachte … wollte …“  ist deshalb so wunderbar, weil die Zuschauer hier gefordert werden.

……

Ja, ich empöre mich gegen das Gorki-Theater, das diesen ganzen dümmlichen Identitätsquatsch mitmacht anstatt solche Stücke wie das von Dir aufzuführen.

 

Liebe Grüße

 Sylke Kirschnick

www.sylke-kirschnick.de

 https://www.sylke-kirschnick.de/2021/05/09/was-ist-ehrgewalt-was-kann-dagegen-getan-werden/

 https://www.sylke-kirschnick.de/2021/05/27/das-theaterstueck-schatten-unserer-muetter-von-safeta-obhodjas/

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