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Safeta ObhodjasSafeta Obhodjas

Ein Deutschtürke im Abseits

Veröffentlicht am 10.07.2021

Jugendroman

 

Mert Seyder, ein Schüler, der gerne kickt, will der beste Torschütze eines improvisierte Fußballturniers werden. Er ist in seine Nachbarin Enisa verliebt, die für Fußball nichts übrig hat und sich weigert, seine Freundin zu werden. Zwischen den Organisatoren des Turniers, Merts Mutter Suna, und dem geliebten Trainer Osman entbrennt ein Macht-kampf. Merts Onkel Riza, das Oberhaupt der traditionell strukturierten Familie Seyder, versucht Mert eine Verlobung mit einer Cousine aufzudrängen. Der naive und unerfahrene Junge wird zwischen den Fronten hin und her geschubst.

 

Eine Besprechung bei Amazon

5,0 von 5 Sternen Berührend

Das Leben türkischer Jugend, besonders Jungs, die sich auf der Suche nach sich selbst unsicher zwischen der islamischen Tradition und moderner westlichen Lebensart bewegen, war für mich bis jetzt eine unbekannte Welt. Dieses mit wunderbarer Leichtigkeit und nötigem Ernst geschriebene Buch schafft es, einen in diese Welt zu entführen und gefangen zu nehmen. Man ist mit Mert unterwegs, mal ärgert man sich, mal schmunzelt man über ihn, in einem Moment möchte man ihn anschreien und wachrütteln und im anderen beschützend in den Arm nehmen. Am Ende ahnt man, dass er, bis er seinen Platz in dieser Welt gefunden hat, eine lange und beschwerliche Reise vor sich haben wird. Umso mehr wünscht man es ihm vom ganzen Herzen.

 M.W.

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Anklicken um einen Abschnitte aus dem Roman zu lesen

… Kischbischuwuuuuu ... Bzuuuuuu! Grrrm! Brmkrmmmm!

Das Skateboard gehorchte dem Kommando seines Körpers: Schwingen, Springen, Rasen, Bremsen, Drehen, wieder Rasen.

Das Toben auf dem Brett wirkte beruhigend. Seine Euphorie verwandelte sich nach und nach in ein intensives Glücksgefühl. Mert bremste sein Rollbrett und bewegte sich langsam Richtung Straße.

Brrrrrrmiiiiiwu ... "Gute Leistung, du, Mert Seyder, bist ein cooler Typ …" Bziuuuu. "Hammer spielen …Warm anziehen ... Deine Gegner müssen sich warm anziehen …" Brmm, Brrrm …

Er streichelte die Plakate für die Endrunde, welche die Schaufenster und Säulen entlang der Straße schmückten. Vor zwanzig Minuten hatte der Junge erfahren, dass er der beste Torschütze des Fußballturniers werden könnte. Selbst hatte er seine Treffer nicht registriert, weil er nicht einmal ahnte, dass er so gut schießen konnte. Er hatte nur daran gedacht, das Team ins Finale zu bringen. "Alle fünf Gegner in die Wüste geschickt. Das hätte ich mir nicht mal träumen lassen!"

"Euer Finale heißt: Torschütze Mert Seyder! Er hat das Team so weit gebracht. Noch einen Treffer in der Endrunde und er springt auf das Podest als der beste Torschütze. Auf jeden Fall werden wir einen Gewinner haben. Ich will aber den doppelten Sieg. Ich will Mert und das Team in der Turnierspitze. Ihr könnt das erreichen! Konstantin, Rafik, Denis, Igor, Mert ... und alle, alle zusammen. Ich will von euch hören: 'Wir können, wir wollen den Doppelsieg!' "

So hatte ihr Trainer Osman vor einer halben Stunde geredet. Nach dem Training in der Stadtsporthalle, vor dem ganzen Team und vor den dutzend Zuschauern. "Ich will, ihr könnt!" Merts Skateboard klapperte über die holprigen Steine.

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Enisa zuckte zusammen und versuchte, ihn zu umgehen. Er breitete seine Arme aus, kein Entkommen.

"Hej, Süße, hast du die neuen Plakate gesehen?" Eine Sekunde hielt das Mädchen inne. Gespannt wartete er auf ihr Lächeln, das ihn damals verführt hatte – ein Lächeln, das er auf seinem Handy immer bei sich trug. Er sehnte sich danach, es auf ihren Lippen live zu sehen. Sie schaute ihn ratlos an. Wie? Was? Seine Star-Ausstrahlung ließ Enisa kalt?

"Hej, meine Schöne, ich vermisse dich in der Sporthalle. Viele Mädchen kommen zu unserem Training. Echte Fans, weißt du. Möchtest du das nicht auch erleben? Warum kommst du nicht mit?", setzte er seinen ganzen Charme ein. Wieder null Wirkung.

"Verschwinde! Du weißt, dass ich mit dir nicht reden darf. Mein Vater wird das nicht gut finden. Lass mich in Ruhe!", zischte sie.

"Dein Vater hat mir nichts zu sagen! Ich bin jetzt in der Stadt berühmt. Hast du die Plakate dort nicht gesehen?"

"Ach, Blödmann! Lass mich in Ruhe!", murmelte sie, drückte seinen ausgestreckten Arm beiseite und verschwand in Marinas Friseursalon. Auf dem Weg zu seiner Haustür begegnete er dem Vater von Enisa. Wieder dieser Blick, als ob der Junge durchsichtig wäre. "Du, Möchtegerndoktor, dir werde ich schon zeigen, wer ich bin. Mich kennt jetzt jeder in diesem Stadtteil. Du bist nur ein arrogantes Arschloch geblieben."

Hinter dem Rücken des Mannes kickte er einen imaginären Ball. Aber das beruhigte ihn nicht. Er musste noch eine Runde durch den Park drehen, um seine wiederentflammte Wut unter Kontrolle zu bringen. Die alte Wunde war von neuem aufgerissen. Obwohl sie schmerzte, fühlte er sich nun stark genug, dieses Mal nicht aufzugeben.

Sofort als er die Wohnungstür aufmachte, begann Suna mit ihrer Predigt. "Mert, bist du von allen guten Geistern verlassen? Das darf nicht wahr sein! Du hast das Mädchen wieder angequatscht! Mein Junge, wie oft muss ich dir noch sagen: Lass die Finger davon!"

"Und ich habe dir auch gesagt, wie mich dein Nachspionieren nervt!"

Er schmiss den Rucksack samt den Plakaten in die Dielenecke. Seine Ankunft zuhause hatte er sich anders vorgestellt. Statt seiner Mutter über ihre Erfolge zu berichten, musste er sich ihre Vorwürfe anhören.

"Keine Unterstellungen! Ich habe dir nie nachspioniert. Enisa hat sich über dich bei Marina beklagt. Und Marina rief mich an. Das Mädchen hat Angst vor dir, verstehst du das nicht?"

"Wovor soll sie Angst haben? Bin ich ein Vampir, oder was? Ich habe nicht vor, sie aufzufressen! Du redest mit mir, als wäre ich ein Idiot!"

"In diesem Sinne bist du ziemlich dickköpfig. Aber du musst begreifen, dass dieses Mädchen für dich tabu ist. Erinnerst du dich nicht daran, was ihr Vater gesagt hat? Er würde zuschlagen! Ich kann dich nicht beschützen. Und ich will auch nicht, dass sich mein Sohn in einen Stalker verwandelt. Finde dir eine andere Freundin und basta! Sonst suche ich uns eine Wohnung weit weg von hier! Ich muss das arme Mädchen vor dir retten!"

"Halt den Mund!", dachte Mert und flüchtete sich in sein Zimmer. Er legte sich aufs Bett und nahm sein Handy aus der Tasche.

"Diese aufgeblasenen Kreaturen machen mir meinen schönen Tag kaputt. Das ist ein freies Land! Hier kann mir niemand etwas verbieten."

Er hasste Enisa und sehnte sich gleichzeitig nach ihr. Aber er hatte nur ein paar Fotos, um seine Sehnsucht zu stillen.

"Warum bist du so stur?", fragte er ihr Bild auf dem Display. Mit dem Zeigefinger streichelte er ihre phantasievolle Frisur und die beiden Grübchen in den Wangen. Dieses Lächeln gehörte ihm, und niemand konnte es ihm stehlen.

 

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