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Safeta ObhodjasSafeta Obhodjas

Mein Schreiben auf Bosnisch 1

Veröffentlicht am 30.01.2021

Ein Genre-Raster der politischen Korrektheit

Ich habe nicht gezählt, wie viele Male ich durch so ein Raster bei den deutschen Verlagen und Agenturen durchgefallen bin. Vielleicht war nicht immer dasselbe Raster im Spiel, aber die Durchfälle waren gleichermaßen schmerzhaft. Und jedes Mal, wenn ich mit meinem neuen Manuskript versucht habe, das Interesse eines Lektorats zu wecken, dachte ich an die dänische Schriftstellerin Karin Blixen (1885-1962) (Jenseits von Afrika), die einmal ihrer Sekretärin sagte: „Wir haben so lange allein gearbeitet, nun muss endlich etwas von außen kommen.“ Unter außen meinte sie: Aus der literarischen Welt, der Blixen sich verschrieben hatte, müssten endlich Interesse, Unterstützung, Anerkennung zu ihr kommen. Sie wäre müde, selbst nach ihnen zu suchen. Dieses Glück traf irgendwann ein, vielleicht als sie begann, ihre Manuskripte unter dem männlichen Pseudonym Isak Denisen an die Lektorate zu senden.

Lange Zeit dachte ich auch: nach so viel Arbeit in der Einsamkeit würde mir ein bisschen Interesse und Unterstützung aus der literarischen Welt guttun. Leider wurde das nie zur Wirklichkeit, fast nichts kam zu mir von außen. Irgendwann hörte ich auf, auf so ein Wunder zu hoffen und nach einem deutschen Verlag zu suchen. Trotzdem wollte meine literarische Berufung mich nicht loslassen, und drängte mich weiter zu schreiben, meist zweisprachig, zuerst auf Deutsch, danach folgte die Übertragung ins Bosnische. Gerade jetzt, mitten in der Corona-Pandemie, ist mein Roman Bitter waren die Früchte in Goethes Obstgarten im Verlag Bosnisches Wort – schönes Wort auf Bosnisch erschienen, dessen Veröffentlichung von einem Deutschen privat unterstützt wurde.

Bei demselben Verlag habe ich früher etliche Bücher publiziert, unter anderen die Romane Scheherezade im Winterland und Die Bauchtänzerin. Mein erster Roman Auf einem bosnischen Gastmahl ist nie auf Bosnisch erschienen, nur auf Deutsch. Die Hauptfiguren in diesen drei Romanen sind Amila, eine arbeitslose Biologin, Nadira, eine Journalistin und Schriftstellerin und Vildana, eine Designerin und Schneiderin. Alle drei Frauen kommen zusammen in meinem neuen Werk. Wegen des Kriegsinfernos mussten sie ihr Heimatland verlassen. Danach landeten sie in Deutschland, wo sie sich im Frauenzentrum Schwestern in Not kennenlernten und anfreundeten. Dieser neue Roman handelt davon, wie sie im Frauenzentrum auf die Idee kamen, natürlich mit der Unterstützung dessen deutscher Leiterin, ein multikulturelles Projekt ins Leben zu rufen, in dem auch Goethe selbst eine Rolle spielt.  

Hier der Link des Romans Bitter waren die Früchte in Goethes Obstgarten , wo Sie sein Cover auf Bosnisch sehen können.

https://bosanska-rijec.com/romani/opori-su-bii-plodovi-u-goetheovom-voćnjaku-detail.html

Weiterlesen die ersten Seiten des Romans auf Deutsch

Schreib mir eine Liebesgeschichte

 Nadira! Ich mag deinen Namen. Ehrlich. Der muss etwas Schönes bedeuten. Hast du seine Bedeutung nie recherchiert? Wie, hat dich nicht interessiert? Wirklich nicht? Hast du nie gelernt, dich ein bisschen selbst zu lieben? Meines Erachtens kann man ohne gesundes Ego nicht weiterkommen. Das muss ich dir noch beibringen.

Warum bist du so verschlossen? Seit ich dich kenne, versuche ich herauszufinden, warum du dich selbst, solch eine begabte Frau, aufgegeben hast. Wieder ein Achselzucken, was soll das bedeuten? Alles sei dir wurscht? Das ist nicht egal, und du musst etwas für dich tun! Hör mal, ich habe schon überlegt, wie ich dir helfen kann. Bitte, geh raus aus deinem Schneckenhaus! Hast du diese Phrase auf Deutsch je gehört? Ich mag metaphorische Ausdrücke auf Deutsch, die sind so phantasievoll. Man kapselt sich ab …  aber nein, bei dir ist das nicht nur ein Schneckenhaus, du hast dich in einer Höhle verkrochen. Nadira, wach auf! Raff dich auf! Ich will dir helfen, ich lasse nicht zu, dass eine so begabte Autorin in ihrer Misere verkommt. Oder ist es Selbstmitleid? Schau mich nicht so misstrauisch an, als ob du mich gar nicht kennst. Hi, Nadira, wach auf, ich bin deine Freundin Ksenija, und du weißt doch, dass ich jederzeit bereit bin, andere Menschen mit Rat und Tat zu unterstützen. Rate mal, was mein Name Ksenija bedeutet? Diesen Namen hab ich nicht zufällig bekommen, der hat Jahrhunderte überlebt, kommt aus dem Altgriechischen, und seine beiden Bedeutungen passen gut zu meinem Charakter. Die erste lautet: 'die Fremde', die andere 'die Gastfreundliche'.

Wieder guckst du so komisch, vielleicht kannst du gar nicht glauben, dass sich die Kosmopolitin Ksenija Pekić irgendwo fremd fühlen kann. Die Antwort ist einfach: Doch, sie kann! Und wie! Ich fühle mich fremd in meiner Heimatstadt Belgrad, dort fühle ich mich wie von einem anderen Planeten. Das ist ein Phänomen bei allen Menschen vom Balkan, die den Westen geistig und kulturell eingeatmet haben. Du weißt was ich meine, diejenigen, die hier im Lande einmal die Freiheit als Individuum ausgekostet haben, haben sich von dort abgenabelt. Gut, meine Familie lebt immer noch in dieser Stadt, und ich besuche sie gerne, ich habe dort auch noch einige gute Freunde, aber das ist alles. Mein Vater ist immer noch Genosse durch und durch und hängt weiterhin seinem kommunistischen Kosmopolitismus an. Seine Ideale will er nicht aufgeben, das ist das Einzige, was ihm vom früheren Leben geblieben ist. Im Kommunismus war er jemand, jetzt im Nationalismus ist er niemand, so einfach ist das. Slaven, mein Bruderherz, kann mit Papas Idealen nicht viel anfangen. Seine Welt ist Musik, Pop-Rock –  oder wie immer sie diese wilden Tonkreationen nennen; die nationalistischen Hymnen hasst er wie die Pest. Diesem Wahn ist er, Gott sei Dank, nicht verfallen, o, nein! Das Serbentum kann ihm gestohlen bleiben! Weißt du, was er mit seiner Band macht? Slaven unterstützt die Opposition, spielt mit seinen Jungs auf ihren Versammlungen, rockt richtig gegen das Regime und das ganze nationalistische Establishment. Ich bin mächtig stolz auf ihn.

Wie könnte es auch anders sein? Unsere ganze Sippe ist ein Konglomerat von mehreren Nationalitäten. Meine Oma väterlicherseits war eine Ungarin, natürlich katholisch, der Vater meiner Mutter, übrigens, er lebt immer noch in Belgrad, ist schon ein Mischling: eine seiner Großmütter war jüdisch, oder halb jüdisch. Das verraten meine Augen, nicht wahr? … Guck mal, deine zum Beispiel haben eine Farbe zwischen Grün und Blau, mit einigen Flecken Braun, ein typisch slawisches Kolorit, bei mir aber überwiegt das Dunkle, man könnte fast meinen, ich wäre eine Türkin. Vielleicht habe ich auch ein paar Gene von dieser Seite abbekommen. Wer weiß, wie viel Samen die osmanischen Herrscher auf dem Balkan hinterlassen haben.

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