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Safeta ObhodjasSafeta Obhodjas

Die Freundin

Veröffentlicht am 31.10.2020

Sarajevo, im Jahr 1982

 Mein erster Erzählband „Die Frau und das Geheimnis“ entstand Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre in Pale, wo ich lebte, und in Sarajevo, wo ich arbeitete. Das waren die ersten Storys, die ich in den unterschiedlichen Kulturzeitschriften und manchmal auch im Rahmen der literarischen Radio-Sendungen publizierte. An vieles aus dieser Zeit meiner Anfänge als Schriftstellerin kann ich mich gut erinnern aber ein Moment hat sich besonders tief in mein Gedächtnis geprägt: Als ich die Geschichte „Die Freundin“ schrieb, ist es mir klar geworden, dass es nicht egal war, welche Namen meine Protagonisten im Plot trugen. Die Erkenntnis von damals hat nie aufgehört, ihre Warnung in meinem Hinterkopf auszustrahlen, bis heute.

Die Geschichte handelte von zwei Freundinnen, die versuchten, jede entsprechend ihren Möglichkeiten, eine Karriere zu machen. Die ganze Idee für die Handlung hatte wenig mit den nationalistischen Umbrüchen zu tun, die sich in dieser Zeit, gleich nach dem Tod des Kult-Präsidenten (1980), ringsum mich heftig bemerkbar machten. In meinem literarischen Focus standen weiterhin sowohl die Lage der Frauen in den Familien und in der Gesellschaft als auch die Art wie meine Zeitgenossinnen miteinander umsprangen. Ich erfuhr von einem drastischen Fall des Verrats in einer Frauenfreundschaft aus meinem Bekanntenkreis und ich bekam die Idee, daraus eine Geschichte zu machen. Ich brauchte lange, bis ich die Fakten in literarisches Material verwandelt hatte. Während der Überarbeitung der ersten Version wurde es mir plötzlich bewusst, dass die Verräterin einen muslimischen Namen trug und die Verratene einen serbischen. Im Nu versetzte ich mich in die Köpfe meiner zukünftigen Leser, die den unterschiedlichen Nationalitäten angehörten. Die Muslime würden mich bestimmt als eine Verräterin anprangern, weil ich eine Muslimin in so einem schlechten Licht dargestellt hatte. Den serbischen würde ich mit diesen Namen die Beweise liefern, dass die Muslime nationalistisch ticken und für Moral nichts übrig hatten; sie warteten nur auf den richtigen Zeitpunkt, um die Serben zu verraten. Es war eine Horrorvorstellung für mich, als eine Anstifterin des Nationalismus beurteilt zu werden. Auch ich selbst wollte nicht eine Muslimin so negativ darstellen. Ich änderte den Namen der Verräterin, gab ihr auch einen serbischen und damit eine ganz normale Motivation: Neid, Missgunst, Macht und einiges mehr, was man hier im Lande unter Stutenbissigkeit versteht.

Liebe Leserinnen und liebe Leser, wenn Sie möchten meine Story „Die Freundin“ lesen, die nicht an Aktualität verloren hat, schreiben Sie mir bitte. Ich werde sie dann in meinen Blog aufnehmen.  

 

 

 

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