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Safeta ObhodjasSafeta Obhodjas

In guter Gesellschaft, Irmgard und Marina

Veröffentlicht am 01.11.2020

  Wuppertal, 1996 

 „Ein dunkles Loch. Konntest du nicht etwas Besseres finden?“, fragte mich meine Freundin und Unterstützerin Ingrid, als sie das erste Mal meine Wohnung in der Wiesenstraße betrat. Sie hatte recht, meine Behausung sah wirklich deprimierend aus, und das passte gut zu meinem seelischen Zustand. Tagsüber funktionierte ich irgendwie, ging zur Arbeit, manchmal in die Bibliothek, oder besprach mit der Übersetzerin Brigitte die Passagen aus meinen früheren Werken, deren Bedeutung ihr in meiner Muttersprache unklar war. Aber in den Abenddämmerungen fühlte ich mich elend einsam. Meine Deutschkenntnisse reichten zum Lesen solange das Schreiben in dieser Sprache noch in weiter Ferne lag. In dieser Zeit fiel mir das Buch „Die verbrannten Dichter“ von Jürgen Serke in die Hände, ein Lexikon mit vielen Schicksalen der deutschen Dichter und Denker, die während der Nazidiktatur vertrieben, ermordet oder in den Selbstmord getrieben worden waren. „Mir geht es im jetzigen Exil in Deutschland viel besser!“, ich bemühte mich positiv zu denken. Zwischendurch tauchte die russische Dichterin Marina Zwetajewa aus der Erinnerung auf. Über ihr Leben im Exil und ihre Tragödie im Heimatland hatte ich schon in Bosnien gelesen. Irgendwann, ich weiß wirklich nicht wie sich solche Prozesse im Gehirn entwickelten, begannen diese zwei, die russische Poetin und die Autorin Irmgard Keun, die zu den Verbrannten in Deutschland gehörte, einen Dialog miteinander zu führen. Ab und zu mischte sich auch meine Stimme in ihre Streitereien ein, und nach und nach begann ich aus ihren fiktiven Auseinandersetzungen ein Theaterstück zu machen, merkwürdiger Weise gleich auf Deutsch. Monatelang lebte ich praktisch mit diesen zwei Geistern in meinem "Wohnungsloch“. Das Theaterstück wurde erst zwanzig Jahre später, 2016, das erste Mal inszeniert. Diese zwei verlorenen Seelen besuchten mich immer wieder, wenn ich mich in einer Krise befand. Ich ließ sie noch einmal in meiner Novelle „Funken aus einem toten Meer“ wieder auferstehen, die ich im Jahr 2020 beim Verlag epubli veröffentlichte.

Funken aus einem toten Meer

Novelle

Eine Hommage an Marina Zwetajewa und Irmgard Keun

 Von: Safeta Obhodjas

 

Safia, geflohen in den 90er Jahren vor den Pogromen in Bosnien und Herzegowina, lebt zurückgezogen in Deutschland und schreibt. Die deutsche Sprache ist ihr zur zweiten Heimat geworden. Ihre Themen kreisen um Exil und Emanzipation. In ihrer Fantasie sucht sie die Begegnung mit ihren Idolen: der Dichterin Marina Zwetajewa, Zeitzeugin der russischen Revolution, und der deutschen Schriftstellerin Irmgard Keun, die gegen die nationalsozialistische Diktatur rebellierte. Die drei Frauen erzählen sich von Einsamkeit, Verlust und Widerstand, von der Liebe, von Männern, die sie sich hörig machten oder von denen sie abhängig waren. Sie schreiben Bettel- und Liebesbriefe, lachen und weinen, rauchen und trinken.

 

Das Buch ist eine Hommage an zwei große Autorinnen des zwanzigsten Jahrhunderts und zugleich eine Auseinandersetzung mit dem Schreiben im Exil heute. Es ist der schonungslose Bericht einer Frau, die sich mit aller Kraft zurück ins Leben schreibt.

 

Funken aus einem toten Meer: Novelle


https://www.epubli.de//shop/buch/Funken-aus-einem-toten-Meer-Safeta-Obhodjas-9783752954104/99082?

Preis 7,99 €

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