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Safeta ObhodjasSafeta Obhodjas

Sexuslkunde

Veröffentlicht am 14.12.2020

Sexuallehrer unter Kopftuch 

 

Seit langem schleppe ich diese Geschichte mit mir herum. Immer wieder, wenn ich die Äußerungen der mutigen Lehrer oder der Kritiker des Islamismus höre, dass viele gläubige Muslime gegen den Sexualkundeunterricht in Schulen protestieren und oft ihren Kindern verbieten, an solchen Aufklärungsstunden teilzunehmen, überfällt mich ein wütender Drang, diese authentische Story endlich allen im Netz zu erzählen, auch denjenigen, die das nicht hören wollen. Jetzt endlich hat mich die Frau, die sie mir anvertraut hatte, von meiner Schweigepflicht entbunden. Und die Ärztin, auch eine Bekannte von mir, lebt nicht mehr. 

Sie hatte eine Praxis für die innere Medizin, die sie mit ihrem Mann führte. Das Ehepaar war hochangesehen, besonders wegen seines humanitären Engagements. Sie sammelten Medikamente und Material für die Krankenhäuser in den armen und durch die Kriege zerstörten Ländern oder brachten kranke und verwundete Jugendliche zu einer medizinischen Behandlung nach Deutschland. Aber man konnte nicht sagen, dass sie selbst asketisch lebten, ganz im Gegenteil, sie genossen gerne ihren Wollstand. Privat ließ sich meine Bekannte im Wellness verwöhnen, trug meist Designerkleider und Schmuck, war wie eine Diva gestylt, wenn sie am Arm ihres Mannes an den humanitären, multikulturellen oder politischen Feierlichkeiten erschien, wo sie oft als Ehrengäste begrüßt wurden. Sie wussten nicht mehr, wie viele Auszeichnungen sich in ihrer Sammlung befanden.

Was wirklich hinter dieser glänzenden Fassade ablief, wird uns hier eine junge Frau erzählen, die sich in einem Sommer zufällig in ihre Praxis verirrte:

„Mein Vater war von diesem Ehepaar fasziniert, viel mehr von Frau Doktor als von dem Mann, und er wurde nie müde, jedem neuen Bekannten von ihren Errungenschaften zu erzählen. Ihre Unterstützung sei ihm garantiert, wenn er sich entscheiden würde, das zu tun, was für die Anerkennung seines ärztlichen Diploms notwendig sei. Blut ist dicker als Wasser, lautete das alte Sprichwort, und wir stammten aus demselben armseligen Land, aus dem die erfolgreichen Mediziner auch stammten, nur waren sie vor vielen Jahren zum Studieren hierhergekommen. Wieder hatte mein Vater eine Ausrede, warum er sich auf diese Prüfungen nicht vorbereiten konnte: dieses Mal war seine deutsche Freundin hochschwanger. Ich war auch in einem Wartemodus vor dem ersten Semester des Studiums und der Vater schickte mich, wie er das mit der Frau Dr. vereinbart hatte, in ihre Praxis, damit ich dort lernte, wie man in einem hektischen Alltag seine Ruhe bewahren konnte. „Was soll ich dort machen?“ „Ein bisschen mithelfen und Menschen beobachten, wie sie sich benehmen. Das brauchst du für dein Studium, nicht wahr?“ Na, ja, das konnte eine gute Schule sein.

In der Praxis arbeiteten zu der Zeit zwei Arzthelferinnen und ich wurde nicht freundlich aufgenommen. Die ganze Atmosphäre war frostig, lauter versteinerte Mienen, sowohl bei den Ärzten als auch bei den Helferinnen. Ich saß den ganzen Vormittag da und beobachtete, wie die Ältere wie eine Maschine arbeitete und die andere, eine sehr junge Frau, manchmal in einem Heft las oder nur so herumlief.  Wahrscheinlich wegen der Sommerflaute gab es nicht so viele Patienten. Sobald die Uhrzeit der Pause kam, bat mich Frau Dr. in ihren Erholungsraum zu kommen. Sie schaute mich an, als hätte ich etwas verbrochen und ließ mich vor ihrem Tisch stehen. „Wir haben noch zwei festangestellte Helferinnen, die in Urlaub sind, jetzt haben wir eine in der Probezeit und die Kleine ist Auszubildende. Hast du gesehen, wie sie sich kleiden?“

„Was geht mich an, wie sie sich kleiden?“, dachte ich.

Mit einer resoluten Stimme trug sie ihre Forderungen vor. Wenn ich in ihrer Praxis in diesem Sommer ein bisschen Geld verdienen möchte, müsse ich mich genauso wie die anderen kleiden. Alle Mädchen müssten sich dieser Regel anpassen, es gäbe keine Ausnahme.

„Sag deinem Vater nichts davon. Es ist mir egal, wie du dich auf der Straße aufführst, hier muss es sein, wie ich das will. Und noch etwas, du darfst Herrn Dr. nie ansprechen, mit ihm hast du nichts zu tun. Wenn er dich etwas fragt, nur mit den Achseln zucken, du weißt und verstehst nichts. Jetzt gehe nach Hause und übe, deinen Kopf zu verhüllen.“

Das tat ich, zuerst weil ich neugierig war, was hinter dieser Maskerade steckte und weil ich meinen Vater nicht enttäuschen wollte. Ich dachte, wahrscheinlich sei sie eifersüchtig auf ihren Mann und unsere Kleider stellten ein Tabu-Signal für ihren Mann dar. „Ich werde es ein paar Wochen aushalten, in diesen Räumen wie ein braves Mädchen herumzulaufen.“ Brav, das war sehr relativ. In meiner Schule hatte ich mehrere Schulkameradinnen mit Kopftüchern gehabt, die diese nur als einen moralischen Schein trugen.

Die Helferin in der Probezeit war wirklich tüchtig und sehr nett zu den Patienten. Die Auszubildende wirkte verloren und redete ein kaum verständliches Deutsch. Die Tüchtige gab mir schon am zweiten Tag kleinere Aufgaben, wie Kopieren, Scannen oder Desinfizieren in den Behandlungsräumen, wo die Untersuchungsapparate standen.

„Hatte ich Recht, ist das nicht eine gute Schule für dich?“, fragte mich mein Vater. „Mal sehen, welche Überraschungen sie noch bereithielt“, murmelte ich aber er hatte keine Zeit nachzuhaken, weil er stets um seinen Sohn im Bauch der deutschen Freundin besorgt war.

Bald wurde mir in dieser Schule eine Lektion erteilt, die ich nie in meinem Leben vergessen werde.

An diesem Tag war Frau Dr. vormittags nicht in der Praxis, die Helferin sagte mir, sie müsste wegen einer ihrer humanitären Aktionen verreisen. Prompt änderte Herr Dr. seine Haltung, wenn er etwas mit der Helferin zu besprechen hatte, blieb er im Vorraum stehen, versuchte mit uns zu scherzen und die Atmosphäre zu lockern. Er war wirklich ein gutaussehender Mann mit einer strahlenden Energie und jede von uns bekam seine Aufmerksamkeit. Er lobte die Helferin für ihre ausgezeichnete Leistung, streichelte der Auszubildenden über die Wange, nannte sie kleines Mäuschen, das noch viel lernen müsste. Mich fragte er, seit wann ich so fromm und brav geworden sei. Jetzt war es mir klar, warum es uns verboten war, mit ihm zu reden, und warum Frau Dr. ihn unter Kontrolle hielt.

Und dann bekam die Helferin einen Anruf aus dem Kindergarten. Ihr Sohn hatte Fieber und sie musste ihn während der Pause zu ihrer Mutter fahren. „Jetzt kannst du sehen, wie das Leben einer Alleinerziehenden aussieht. Tue dir nie so etwas an“, sagte sie mir. Als sie fast an der Tür stand, drehte sie sich noch einmal zu mir um: „Bitte, pass auf dieses Kind auf!“ „Auf die Kleine? Soll ich ihr die Windel wechseln?“ „Du bist nicht blöd, du weißt, was ich meine!“ In diesem Moment wusste ich es wirklich nicht.

Kaum war sie weg, lud Herr Dr. das Mädchen in sein Zimmer ein. Sie nahm ein Buch aus dem Regal, zeigte es mir: „Er ist nett, er unterrichtet mich Deutsch,“ sagte sie und verließ eilend das Vorzimmer.

Ich ging in die Privaträume, räumte die Spülmaschine aus, und als ich den Kaffee aufsetzen wollte, huschte mir dieser schreckliche Gedanke durch den Kopf. „Wollt ihr mich für blöd verkaufen!“ Ich lief schnell durch die miteinanderverbundenen Behandlungsräume, erreichte die Tür seines Zimmers und riss sie auf. Ich sah ihn fast liegend auf dem Arbeitsstuhl und ihren Kopf zwischen seinen Beinen. Er hob die Augen und lächelte mich wie ein Sieger an. Das Mädchen drehte seinen Kopf ein Stück zu mir, ihre langen wunderschönen Haare fielen über seinen Penis.

An diesem Tag verließ ich meinen Lehrposten in dieser Praxis. Aber am nächsten Morgen lauerte ich der Auszubildenden auf, als sie den Bus vor dem Gebäude verließ. Ich versuchte ihr zu erklären, dass sie ihn wegen der sexuellen Nötigung anzeigen könnte und dass ich bereit wäre, sie als Zeugin zu unterstützen. Sie schien nicht verstanden zu haben, was ich versuchte ihr zu sagen. „Warum tust du so etwas? Hat er dich gezwungen? Weißt du überhaupt, was das ist? Hast du nicht die Sexualaufklärung in deiner Schule gehabt?“, redete ich mich in Rage. Sie zuckte mit den Schultern. „Ich mache das bei meinem Onkel auch. Er ist ein kluger Mann, und er hat mir gesagt, dass das kein Sex und kein Haram (Sünde) ist.“

 

 

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