(C) Safeta Obhodjas

"Mit leichtem Gepäck auf der Suche nach der Heimat"

Hilde Domin (1909 - 2006) Leben und Dichtung

 

Ein Vortrag von Safeta Obhodjas

 

Hilde Domin hat ihre Gedichte gegen die Einsamkeit und Kälte geschrieben, die sich, nicht nur ihr fühlbar, überall breit machen. Sie sind dem Leben und den Menschen zugewandt. (Ulla Hahn in ihrer Laudatio 1992 anlässlich der Verleihung des Hölderlinpreises an Hilde Domin)

Der Vortrag begleitet Hilde Domin, eine der bedeutendsten jüdischen Dichterinnen deutscher Sprache des zwanzigsten Jahrhunderts, auf ihren mehr oder weniger einsamen Wegen zwischen den Kontinenten, in den turbulenten Zeiten vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Ihr Werdegang stellte oft einen mühsamen Kampf ums Überleben dar, und um das Recht, ihre Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit in Lyrik zu verwandeln.

Sie wuchs in einem wohlbehüteten Elternhaus in Köln auf. Weitere Stationen ihres Lebens waren:  Rom, wo sie in den Dreißigern zusammen mit ihrem zukünftigen Mann als strebsame Studentin lebte; gleich danach reiste sie als Vertriebene durch England und Kanada, um 1941 als Exilantin in der Dominikanischen Republik zu landen. Auf dieser Insel entdeckte sie, knapp über vierzig, die Dichtung als ein Ventil für ihre bedrückende Einsamkeit. Von den ersten Insel-Versen bis zum ersten Gedichtband „Eine Rose als Stütze“ im Heimatland Deutschland, bewältigte sie einen Weg voller Hindernisse, stets "unterwegs mit leichtem Gepäck" und auf der Suche nach einem ruhigen Zuhause. Dies fand sie, zusammen mit ihrem Mann, erst 1961 in Heidelberg. Jedoch schenkte ihr diese feste Adresse keine Ruhe. Mit Koffern, angefüllt mit ihren Gedichtbänden, bereiste sie weiterhin mehrere Kontinente als Dichterin und  unermüdliche Friedensstifterin.

Im Rahmen des Vortrags werden einige ihrer Gedichte vorgelesen, zum Beispiel: Graue Zeiten, Baue mir ein Haus, Ziehende Landschaft, Sisyphus, wobei auch die Hintergründe ihres Erstehen beleuchtet werden. 

Hier finden Sie eine Leseprobe
 

„Lange Schatten unserer Mütter“

Ich diesem Vortrag setze ich mich mit dem Thema “Mutter-Tochter-Verhältnis” auseinander, meist von den Frauen, die aus muslimischen Kulturen kommend, hier leben. Darüber habe ich oft in meinen Erzählungen und Romanen geschrieben. Im Focus meiner Analyse steht die Rolle der Mutter in den traditionsgeprägten Familien. Was erwarten sie und was verlangen sie von ihren Töchtern? Sind sie bereit, ihre Töchter zu unterstützen, ihre eigenen Wünsche und Träume zu verwirklichen, oder sie verlangen von ihnen, sich der Tradition ihres Herkunftslands anzupassen. Wie funktioniert ihr Mutter-Tochter-Verhältnis überhaupt? Wo ist die Diskrepanz zwischen Vorstellung und Realität, sowohl bei den Töchtern und als auch bei den Müttern.

In den Vortrag bringe ich sowohl meine Erfahrungen ein, als auch die Auszüge aus meinen Werken, in denen ich dieses Verhältnis literarisch dargestellt habe. Hier finden Sie, liebe Leser, eine Leseprobe aus meinem Roman "Scheherazade im Winterland."